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Forschungsnews vom 12. Oktober 2026

Urzeit kompakt

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Neue Studien, kurz erklärt. Das Datum der Originalstudie steht bei jeder Meldung.

  1. Symbolbild, KI-generierte Rekonstruktion: Großer Basilosaurus isis schwimmt unter Wasser einem kleineren, fliehenden Saghacetus osiris in einer trüben Lagune nach.
    KI-Rekonstruktion: Ein Basilosaurus isis verfolgt einen Saghacetus osiris in einer eozänen Lagune – nach Fundanalysen aus dem Naturhistorischen Museum Wien endete diese Jagd wohl tödlich für den kleineren Urwal.KI-Rekonstruktion: Tiefenzeit / GPT Image

    Urzeit-Riesenwal jagte vermutlich auch erwachsene Wale

    Forscher haben im Naturhistorischen Museum Wien den Schädel eines frühen Wals aus Ägypten untersucht, dessen Besitzer wahrscheinlich von einem Riesenwal getötet wurde. Der frühe Wal Saghacetus osiris starb demnach bei einer Attacke von Basilosaurus isis, nach einem typischen Jagdmuster von Walen. Der Fund deutet darauf hin, dass der Räuber nicht nur junge, sondern auch erwachsene Wale jagte.

    Ausgewertet hat das Team zwei bislang unbeschriebene Schädel aus 41 bis 34 Millionen Jahre alten Schichten von Fayoum. Der zweite stammt von einem Riesenwal ähnlich Basilosaurus isis. Laut Gesteinsanalyse stammen beide aus einer Lagune. Für diesen spät-eozänen Lebensraum ist Basilosaurus damit erstmals belegt.

    Schon 2019 fanden Forscher im Magen eines Basilosaurus isis aus dem ägyptischen Wadi Al-Hitan Reste junger Wale und großer Fische.

    Journal of Vertebrate Paleontology · Studie vom · Originalstudie ↗

  2. Digitale Rekonstruktion eines sehr großen Sauropoden-Dinosauriers, der an einem breiten Fluss im Sichuan-Becken entlanggeht, sein Rücken überragt die umgebenden Baumkronen; Symbolbild, keine reale Fotografie.
    KI-Rekonstruktion (Symbolbild): So könnte der neu entdeckte, noch unbenannte Sauropoden-Riese aus dem frühesten Mitteljura des Sichuan-Beckens ausgesehen haben – hier im Vergleich zu Flussaue und Baumkronen seiner Umgebung.KI-Rekonstruktion: Tiefenzeit / GPT Image

    Riesenwirbel verraten frühen Sauropoden-Giganten in China

    Forscher haben im Sichuan-Becken in China zwei große Wirbelkörper eines Sauropoden gefunden, eines pflanzenfressenden Riesendinosauriers. Sie stammen aus dem frühesten Mitteljura. Aus dieser Zeit sind große Sauropoden selten belegt. Der größere Wirbelkörper ist 23 Zentimeter breit.

    Laut der Studie im Fachblatt „Historical Biology“ gehört das Tier zu den früh abgezweigten Sauropoden, vielleicht schon zu den Neosauropoden, einer Untergruppe der Sauropoden. Es zählt zu Chinas größten bekannten Mitteljura-Sauropoden. Der Fund ist ein weiteres Indiz, dass solche Riesen schon zu Beginn des Mitteljura die Tierwelt Ostasiens geprägt haben könnten.

    Zum Vergleich: Omeisaurus tianfuensis lebte etwas später im Mitteljura bei Zigong in Sichuan und wurde 18 bis 20 Meter lang.

    Historical Biology · Studie vom · Originalstudie ↗

  3. KI-Rekonstruktion eines kleinen Branchiosauriers mit dreieckigem Kopf, kleinen Augenhöhlen und sichtbaren Kiemenfransen am schlammigen Ufer eines flachen Tümpels; Symbolbild, kein Fossilfoto.
    KI-Rekonstruktion: Künstlerische Rekonstruktion: *Schoenfelderpeton brevifrons*, der neu beschriebene Ur-Lurch mit dreieckigem Schädel, am Ufer eines Perm-Tümpels im Saar-Nahe-Becken. Symbolbild, keine Fossilabbildung.KI-Rekonstruktion: Tiefenzeit / GPT Image

    Neuer Ur-Lurch aus dem Saar-Nahe-Becken hatte Dreieckskopf

    Forscher haben im Saar-Nahe-Becken eine neue Ur-Amphibie mit dreieckigem Kopf beschrieben: Schoenfelderpeton brevifrons. Zwei Fossilien aus der Fundstelle Ruthweiler belegen die Art. Sie stammen aus dem frühen Perm, berichtet das Fachjournal „Fossil Record“.

    Kein anderer Ur-Lurch der Region hat so einen Schädel: dreieckig wie der griechische Buchstabe Delta, mit kleinen Augenhöhlen und kurzen Stirnknochen. Der Oberkiefer reicht nicht bis zur Wange und trägt winzige, stiftförmige Zähne, auch beim ausgewachsenen Tier. Nach dem Stammbaum der Forscher ist Schoenfelderpeton prescheri der engste Verwandte, mit demselben kurzen Maul und der offenen Wange.

    Die Art gehört zu den Branchiosauriern, kleinen Amphibien mit äußeren Kiemen, die als nahe Verwandte heutiger Lurche gelten und von denen viele ein Leben lang wie Larven aussahen.

    Fossil Record · Studie vom · Originalstudie ↗

  4. KI-Rekonstruktion eines unbenannten kleinen Jura-Säugetier-Vorfahren, der im Farnunterwuchs ein Jungtier säugt; Symbolbild, bodennahe Perspektive
    Symbolbild: So könnte ein früher, in der Studie namentlich nicht genannter Säugetier-Vorfahre der Jurazeit mit seinem Jungtier ausgesehen haben. KI-Rekonstruktion, kein Fossilbeleg.KI-Rekonstruktion: Tiefenzeit / GPT Image

    Jura-Fossil zeigt frühe Voraussetzungen für das Milchsaugen

    Forscher haben bei einem frühen Verwandten der Säugetiere aus der Jurazeit einen Rachen wie bei heutigen Säugern entdeckt. Dazu kommen passende Zungenbeine, kleine Knochen im Hals, die beim Schlucken helfen. Das berichtet die Fachzeitschrift „Nature“.

    Über den Hals der Tiere, aus denen die Säugetiere hervorgingen, wusste die Forschung bisher wenig. Mit diesem Bau schlucken heutige Säugetiere als Erwachsene, und als Babys saugen sie damit Milch. Das Fossil deutet darauf hin, dass Voraussetzungen dafür schon beim gemeinsamen Vorfahren des untersuchten Tiers und heutiger Säuger entstanden.

    Schon 2019 fanden Forscher bei Microdocodon gracilis, einem rund 165 Millionen Jahre alten Säugetier-Verwandten aus China, der einer Spitzmaus ähnelte, erstaunlich moderne Zungenbeine.

    Nature · Studie vom · Originalstudie ↗

  5. KI-generiertes Symbolbild: Unterwasseransicht von schräg unten auf das schmale, leicht geöffnete Maul eines langschnäuzigen Urzeit-Krokodils mit dicht stehenden, sehr hohen Nadelzähnen, davor kleine Krebstiere im trüben Süßwasser.
    KI-Rekonstruktion: Ctenosuchus tenuidens – KI-Rekonstruktion: Das nadelbezahnte Maul des neu beschriebenen Teleosauriers beim Fang kleiner Süßwasserkrebse (Symbolbild, kein Fossilbeleg).KI-Rekonstruktion: Tiefenzeit / GPT Image

    Urzeit-Krokodilverwandter mit Nadelzähnen in Marokko beschrieben

    Forscher haben im Osten Marokkos einen neuen Krokodilverwandten mit Nadelzähnen beschrieben. Ctenosuchus tenuidens gehört zu den Teleosauriern, langschnäuzigen Verwandten der Krokodile. Es stammt aus Fluss- und Seeablagerungen des Mittleren Jura in der Provinz Figuig, berichtet das Journal of Vertebrate Paleontology.

    Jeder Zahn ist gut zehnmal so hoch wie breit, die Lücken dazwischen messen nur 2,3 Millimeter. Auf der Innenseite sitzen dicht gepackte Längsrippen. Daraus schließen die Forscher auf eine Spezialkost: wahrscheinlich kleine Krebstiere und Fische, dazu Tiere mit weichem Körper.

    Das Gebiss erinnert an Mesosaurier aus dem Perm. Für ausgewachsene Mesosaurier nimmt eine Studie an, dass sie kleine Krebstiere mit den Zähnen aus dem Wasser filterten.

    Journal of Vertebrate Paleontology · Studie vom · Originalstudie ↗

  6. KI-generiertes Symbolbild eines blau-schwarz gefiederten, mikroraptorinenähnlichen Dinosauriers mit heller Unterseite, zwei Armflügeln, zwei befiederten Hinterbeinen und langem Federschwanz in einem Kreidezeit-Wald; spekulative Farbgebung, keine artgenaue Rekonstruktion.
    KI-Rekonstruktion (Symbolbild): Ein mikroraptorinenähnlicher Dinosaurier mit befiederten Armen und Beinen. Die Farbgebung ist spekulativ; das Bild zeigt keine artgenaue Rekonstruktion von Norellraptor barsboldi.KI-Rekonstruktion: Tiefenzeit / GPT Image

    Flug-Dinos entwickelten ihren Flugapparat unabhängig von Vögeln

    Forscher haben einen bestens erhaltenen Raubsaurier aus der frühen Kreidezeit vorgestellt: Norellraptor barsboldi. Er gehört zu den Mikroraptorinen, vogelähnlichen Dinosauriern mit Flugmerkmalen. Laut Studie entwickelte diese Gruppe ihren Flugapparat Schritt für Schritt, unabhängig von der Linie der heutigen Vögel.

    Etwa 30 Prozent der typischen Mikroraptorinen-Merkmale tauchen auch bei Vögeln auf, doch die Flugmerkmale entstanden in beiden Linien in anderer Reihenfolge. Das Knochengewebe der Arme weist womöglich auf ein eigenes Wachstum der Gliedmaßen hin. Für das Team spricht das für eine unabhängige Entwicklung des Flugapparats.

    Beim bekannten Microraptor gui aus China mit langen Federn an Armen und Beinen zeigen biomechanische Modelle Potenzial für aktiven Flug, ohne diese Flugfähigkeit sicher zu belegen.

    Nature Communications · Studie vom · Originalstudie ↗

  7. Symbolbild/KI-Rekonstruktion einer lebenden paläozänen Süßwasserschildkröte (Lapparentemys-Typ) mit braun-olivem Panzer, die seitlich auf Augenhöhe im trüben Flusswasser Boliviens liegt, Kopf und Panzerrand über der Wasserlinie.
    KI-Rekonstruktion: Eine Süßwasserschildkröte vom Typ Lapparentemys vilavilensis im Flachwasser eines Flusses im frühen Paläozän von Tiupampa, Bolivien – Symbolbild, da keine Art-Referenz hinterlegt ist.KI-Rekonstruktion: Tiefenzeit / GPT Image

    Bissspuren an Urzeit-Schildkröten passen zu Krokodilverwandten

    Forscher haben in Tiupampa in Bolivien Bissspuren auf Schildkrötenpanzern aus der Zeit kurz nach dem Aussterben der Dinosaurier entdeckt. Die Spuren an der Süßwasserschildkröte Lapparentemys vilavilensis passen zu Krokodilverwandten, die sie jagten oder als Aas fraßen, berichtet das „Journal of Paleontology“. Infrage kommen Sebeciden, ausgestorbene Krokodilverwandte, und möglicherweise Dyrosaurier.

    Andere Spuren deuten die Forscher als Parasitenbefall, etwa durch Blutegel oder Saugwürmer. Pilz- oder Bakterienbefall ist selten, könnte aber schon auf spezialisierte Parasiten hinweisen. Weil solche Schäden selten sind und die Körpergrößen auf eine stabile Population deuten, standen die Schildkröten möglicherweise nicht unter besonders großem Umweltstress.

    Tiupampa ist berühmt: Dort lagen 35 Exemplare des Ur-Opossums Pucadelphys andinus dicht beieinander.

    Journal of Paleontology · Studie vom · Originalstudie ↗

  8. Symbolbild-Illustration eines kleinen amphibienartigen Vierbeiners unbestimmter Art, der sich halb in einen schlammsteinernen Tunnel am Boden eines karbonischen Sumpfwaldes eingräbt, mit sichtbarem Label KI-Rekonstruktion.
    KI-Rekonstruktion: So könnte der grabende Vierbeiner gelebt haben, der den neu beschriebenen Grabgang Thrasmaichnus hindsi in der Clifton-Formation bei Stonehaven hinterließ. Die Art selbst ist nicht identifiziert – das Tier ist ein Symbolbild.KI-Rekonstruktion: Tiefenzeit / GPT Image

    Urzeit-Tunnel in Kanada stammt wohl von einem Vierbeiner

    Forscher haben bei Stonehaven in der kanadischen Provinz New Brunswick einen versteinerten Tunnel beschrieben, den nach ihrer Deutung ein grabendes Landwirbeltier mit vier Beinen anlegte. Es ist der erste bekannte Bau eines solchen Vierbeiners aus dem Oberkarbon. In der Zeitschrift „Fossil Studies“ taufen sie die Spur Thrasmaichnus hindsi.

    Der Gang läuft waagerecht durchs Gestein, quer darin liegen kantige Tonsteinbrocken. Grabende Tiere dieser Art aus jener Zeit kannte man bisher nur von ihren Skeletten.

    Aus der Clifton-Formation war vorher nur eine einzige Fährte eines frühen Amphibiums bekannt, dazu Spuren wirbelloser Tiere. In den rund 310 Millionen Jahre alten Klippen von Joggins im benachbarten Nova Scotia wurde das älteste bekannte Reptil gefunden, Hylonomus lyelli.

    Fossil Studies · Studie vom · Originalstudie ↗