David DeMar Jr. suchte 2016 eigentlich nach Fischfossilien. In der Hell-Creek-Formation im östlichen Montana fiel ihm ein dunkelrotbraunes Stück auf, etwa halb so groß wie ein Golfball. Er hob es auf und betrachtete seine Oberfläche durch eine Lupe.
Dort saß eine kleine Feder. Ausgerechnet in diesem unscheinbaren Brocken hatte sich ein empfindliches Stück Vogelkleid erhalten. Die aufgebrochene Oberfläche machte es sichtbar – ein glücklicher Fund, der den Blick auf den ganzen Klumpen veränderte.
Die Überraschung steckte im Kot
Das Stück erwies sich als versteinerter Kot, ein Koprolith. Das Forschungsteam untersuchte seine mineralische Zusammensetzung und durchleuchtete ihn mit Computertomographie, kurz CT. So konnte es ins Innere schauen, ohne sich auf die offen liegende Feder zu beschränken.
Beim Zusammensetzen der Bilder tauchte immer mehr auf: weitere Federn, winzige Fischschuppen und Beinknochen eines Vogels. Der kleine Klumpen enthielt eine ganze Sammlung unterschiedlicher Reste. Was zunächst nur an seiner Oberfläche auffiel, setzte sich im Inneren fort.

Die Schuppen stammen von einem Knochenhecht. Die Beinknochen ordnet das Team einem Hesperornithiformen zu, einem Vogel aus einer ausgestorbenen Wasservogelgruppe. Die Forschenden schließen daraus, dass auch die Federn zu diesem Vogel gehörten.
Wer den Kot hinterließ, ist nicht sicher bestimmt. Das Field Museum nennt T. rex und Nanotyrannus als mögliche Kandidaten. Einen bestimmten Räuber verraten die Reste damit noch nicht.
Eine Mahlzeit wird zum Fossil
Die Kombination aus Kot und Vogelresten deutet auf einen gefressenen Vogel hin. Damit bewahrt der Klumpen Spuren einer Beziehung zwischen Räuber und Beute. Aus den zusätzlichen Fischschuppen lässt sich aber keine sichere Reihenfolge einer Nahrungskette ablesen.
Für die Forscherin Jingmai O’Connor vom Field Museum lag der Reiz gerade in diesen kleinen Puzzlestücken. Sie ist Erstautorin der am 10. September 2026 in Current Biology veröffentlichten Studie. Das Team stellte den Fund in Mitteilungen des Field Museums und der University of Washington vor.
Ein ganzes Vogelskelett lag hier nicht vor ihnen. Stattdessen mussten Federn und einzelne Knochen gemeinsam Auskunft geben. Diese Reste führten zu einer Premiere: Laut Team sind es die ersten bekannten Federn von Hesperornithiformen.
Diese Federn haben ein Innenleben
Zwei der Federn zeigen eine auffällige Kombination. Ihr Schaft ist im Querschnitt quadratisch und besitzt ein schwammartiges Zentrum. Solche Merkmale kennt das Team von heutigen Vögeln und ihren unmittelbaren Vorfahren.
Bei einer Feder aus dem Erdmittelalter war diese Kombination zuvor nicht bekannt. Der Blick ins Innere liefert damit mehr als einen schönen Umriss. Er erschließt den Aufbau des Materials, das zum Federkleid dieses alten Vogels gehörte.
Doch sein Gefieder bestand offenbar nicht nur aus modern wirkenden Federn. Der Kot enthält auch kleinere, einfache, flaumartige Körperfedern. Moderne und ursprünglichere Merkmale treffen hier aufeinander.
Einige Federn scheinen nach Einschätzung der Forschenden zum Leben im Wasser gepasst zu haben und wasserabweisend gewesen zu sein. Daneben stehen die einfacheren Körperfedern. Diese Mischung macht den Fund für eine viel größere Frage interessant.
Am Wasser leben reichte nicht
Hesperornithiforme lebten am Wasser – und ihre Gruppe starb am Ende der Kreidezeit trotzdem aus. Andere Vögel überstanden das Massenaussterben. Alle heute lebenden Vögel gehören zur Gruppe der Neornithes.
Ein Leben in Wassernähe wurde bereits als möglicher Vorteil für die überlebenden Vögel diskutiert. Die ausgestorbenen Wasservögel machen jedoch deutlich, dass dieser Lebensraum allein keine vollständige Erklärung liefert. O’Connor und ihr Team richten deshalb den Blick auf das Federkleid.
Die entscheidende Idee betrifft seine Wärmeleistung. Körperfedern helfen Vögeln, Wärme zu halten. Einfachere Federtypen könnten dabei weniger wirksam gewesen sein als das entsprechende Gefieder heutiger Vögel.
Kleine Federn, große Überlebensfrage
Nach dem Asteroideneinschlag könnte schlechtere Isolation im kalten Einschlagswinter zum Nachteil geworden sein. Auch Unterschiede beim Federwechsel zieht das Team als möglichen Faktor in Betracht. Federbau und Mauser könnten also mitbestimmt haben, welche Vogelgruppen durchkamen.
Das ist eine Hypothese: Der Kotfund beweist weder eine schlechtere Wärmeleistung noch erklärt er allein das unterschiedliche Überleben der Vogelgruppen. Er liefert erhaltene Federn, an denen sich solche Fragen genauer untersuchen lassen. Der Vogel aus dem Klumpen ist außerdem keine nachgewiesene Opfergeschichte des Asteroideneinschlags.
Der konkrete Fund ist schon spektakulär genug. Ein Stück Kot zwischen anderen Steinen bewahrt Federn bis in ihren inneren Aufbau. Die kleine Feder an seiner Oberfläche führte zu Vogelbeinen, Fischschuppen und einer neuen Spur zum großen Rätsel des Überlebens.



