Der Name klingt wie eine Warnung. Ein Lahar ist ein Schlammstrom aus vulkanischem Material. Und der Fund stammt tatsächlich aus vulkanischer Umgebung: Das Holz steckt in vulkaniklastischen Ablagerungen, also in Gestein aus zerbrochenem vulkanischem Material.

Die Fundschichten gehören zur Bunya Mountains Volcanic Province, einer alten Vulkanregion im Südosten von Queensland.

Im Vulkanschutt steckt ein Regenwald

Das Oligozän ist ein Abschnitt der Erdneuzeit, lange nach dem Ende der Dinosaurier. Aus dieser Zeit stammt die Pflanzenwelt von Maidenwell. Wer bei Vulkangestein an Asche und Hitze denkt, erwartet dort keinen feuchten Wald.

Doch genau darauf deuten die Funde hin. Das Team stützt sich auf zwei Spuren: auf den inneren Bau des fossilen Holzes und auf die Form fossiler Blätter. Beide zusammen zeigen eine Flora, die unter ständig feuchten Bedingungen wuchs.

Die Forschenden beschreiben diese Bedingungen zudem als mesisch. Das Fachwort bedeutet gemäßigt feucht, ohne Extreme von Dürre oder Staunässe. Beherrscht wurde die Pflanzengemeinschaft von Regenwaldpflanzen.

Das Muster im Holz verbindet zwei Kontinente

Hinter dem Namen *Scalarixylon lahar* steht ein genauer Blick ins Holz. William Leggate, Melodina Fabillo und Andrew Rozefelds haben die Art neu beschrieben. Entscheidend sind zwei Merkmale im inneren Aufbau.

Das erste sind breite Holzstrahlen. Holzstrahlen sind Zellbänder, die quer durch das Holz von innen nach außen laufen. Bei dieser Art fallen sie auffällig breit aus.

Das zweite Merkmal liegt dazwischen. Schmale Bänder aus Parenchym, einem lebenden Speichergewebe, ziehen sich in Längsrichtung durch das Holz. Zwischen den großen Strahlen biegen sich diese Bänder nach innen.

Genau diese Kombination taucht auch anderswo auf: in fossilem Holz von Proteaceae aus Südamerika. Proteaceae, auf Deutsch Silberbaumgewächse, sind eine Pflanzenfamilie. Das australische und das südamerikanische Fossilholz teilen damit ein auffälliges Bauprinzip.

Tiefenzeit-Infografik: Was das fossile Holz Scalarixylon lahar verrät. Texte nach Rozefelds, Leggate und Fabillo (2026), DOI 10.1071/sb26004; keine Studienabbildung.
Tiefenzeit-Infografik: Was das fossile Holz Scalarixylon lahar verrät. Texte nach Rozefelds, Leggate und Fabillo (2026), DOI 10.1071/sb26004; keine Studienabbildung. · Bild: Tiefenzeit · KI-generierte Illustration

Die Spur führt in die Unterfamilie

Aus diesem gemeinsamen Muster zieht das Team einen Schluss. Die übereinstimmenden Merkmale legen nahe, dass diese fossilen Arten gemeinsam zu den Grevilleoideae gehören. So heißt eine Unterfamilie innerhalb der Silberbaumgewächse.

Eine begründete Zuordnung, gestützt auf den Bau des Holzes – ein endgültiger Stammbaum-Beweis ist das noch nicht.

Trotzdem ist der Schritt stark. Ein Stück versteinertes Holz aus Queensland lässt sich über ein feines Zellmuster mit Funden auf einem anderen Kontinent vergleichen. Und dieser Vergleich genügt, um eine bestimmte Unterfamilie nahezulegen.

Dann bricht die Spur ab

Jetzt folgt die eigentliche Wendung. Die fossilen Arten, besonders die aus Südamerika, teilen einige Merkmale mit heute lebenden Gattungen. Das klingt nach einem nahen Ziel.

Doch hier stoppt die Einordnung. Keine der fossilen Arten lässt sich sicher einer heute lebenden Gattung oder Tribus zuordnen. Eine Tribus ist eine Gruppe eng verwandter Gattungen innerhalb einer Familie.

Der Grund liegt nicht im Gestein, sondern bei den heutigen Pflanzen. Über den Holzbau der lebenden Silberbaumgewächse ist in der ganzen Familie zu wenig bekannt. Ohne diese Vergleichsdaten fehlt der Maßstab, an dem sich das Fossil messen ließe.

Dazu kommt eine zweite Lücke. Es fehlen Stammbaum-Studien, die Holzmerkmale der Proteaceae auswerten. Solange sie fehlen, bleibt jede genauere Zuordnung unsicher.

Ein verschollener Altfall aus Victoria

Wie wichtig saubere Belege sind, zeigt ein älterer Fund. Aus Bacchus Marsh im Bundesstaat Victoria wurde einst Holz als *Banksia fossilis* beschrieben. Es handelt sich ebenfalls um grevilleoides Holz, also Holz mit Bezug zu derselben Unterfamilie.

Doch der Status dieser Art ist unklar. Die ursprüngliche Beschreibung von R. T. Patton ist unvollständig. Und niemand weiß, wo das Typmaterial geblieben ist. Typmaterial ist das Belegstück, an dem eine Art ursprünglich festgemacht wurde.

Ohne Belegstück lässt sich der alte Fund nicht sicher einordnen. Ein ungelöster Altfall – direkt neben dem neuen Star aus Queensland.

Was das Holz wirklich verrät

Die Studie stellt den neuen Fund in den Bestand an fossilem Holz der Silberbaumgewächse in Australien. *Scalarixylon lahar* zeigt dabei, was fossiles Holz leisten kann. Sein Zellmuster erlaubt einen Vergleich über Kontinente hinweg und stützt die Zuordnung zu einer Unterfamilie.

Zusammen mit fossilen Blättern hilft es, eine längst verschwundene Pflanzenwelt zu rekonstruieren: ständig feucht und von Regenwaldpflanzen geprägt. Und das in vulkanischen Ablagerungen.

Zugleich zeigt der Fund die Grenze dieser Methode. Das Holz führt bis zur Unterfamilie, aber nicht bis zur heutigen Gattung. Die Lösung liegt nicht nur im nächsten Fossil. Sie liegt auch im Holz der Pflanzen, die heute noch wachsen.

Quelle

Andrew Rozefelds, William Leggate und Melodina Fabillo (2026): *The Proteaceae fossil wood record in Australia and a new species associated with Oligocene volcanism from the Bunya Mountains Volcanic Province in south-eastern Queensland*. Australian Systematic Botany 39(5), veröffentlicht unter CC BY-NC-ND 4.0. DOI: 10.1071/sb26004. [Primärartikel](https://doi.org/10.1071/sb26004)