Wie beweist man, dass ein Tier aus Nordspanien zu einer Art gehört, die bisher nur einen einzigen sicheren Fundort hatte? Und welches Detail macht aus einem einzelnen Skelett einen Hinweis auf ein ganzes Meer? Die Antwort liefern Schädel, Flosse und spiralförmige Schalen im Gestein.
Dorset verliert sein Monopol
Ichthyosaurier waren Meeresreptilien mit stromlinienförmigem Körper und Flossen. Deshalb heißen sie auf Deutsch auch Fischsaurier. Ichthyosaurus anningae ließ sich bislang nur an seinem Typusfundort sicher nachweisen, also an der Stelle in Dorset, von der die Artbeschreibung ausging.
Das Tier aus Asturien bricht dieses Monopol. Es ist der erste zweifelsfreie Beleg der Art außerhalb Großbritanniens. Aus einer englischen Lokalgröße wird damit eine Art, die weit über Dorset hinaus verbreitet war.
Spiralschalen verraten das genaue Alter
Ein Knochen trägt kein Datum. Das liefern Ammoniten aus demselben Gestein: ausgestorbene Verwandte der Tintenfische mit spiralförmiger Schale. Ihre Arten wechselten so rasch, dass Geologen mit ihnen Gesteinsschichten zeitlich festnageln.
Die Ammoniten legen das Skelett unmissverständlich fest. Es liegt in der Rodiles-Formation, genauer in der Jamesoni-Zone des Pliensbachiums, einem Abschnitt des Unteren Jura. Damit rückt die Schichtenfolge Asturiens direkt neben gleich alte Meeresbecken im Nordwesten Europas.
Der Schädel zeigt Neues, die Flosse knackt den Rekord
Schädel und übriges Skelett tragen genau die Merkmale, an denen Fachleute diese Art erkennen. Mehr noch: Einige Details der Schädelanatomie hatte vorher niemand dokumentiert. Die Art lässt sich dadurch jetzt schärfer beschreiben als zuvor.
Dann kommt der Rekord. Gemessen am Oberarmknochen übertrifft dieses Tier jedes bekannte Exemplar von Ichthyosaurus anningae. Eine Gesamtlänge nennt die Zusammenfassung der Studie nicht, der Größenvergleich hängt an diesem einen Knochen.
Der Stammbaum zieht eine klare Linie
Die Forschenden bauten den Fund in eine aktualisierte Stammbaumanalyse ein. Solche Analysen vergleichen viele Merkmale verschiedener Arten und rekonstruieren daraus, wer mit wem verwandt ist.
Das Ergebnis stützt Ichthyosaurus als geschlossene Linie mit gemeinsamem Ursprung. Zugleich trennt es Ichthyosaurus anningae noch deutlicher von anderen Fischsauriern des Pliensbachiums. Der spanische Fund verwischt die Art also nicht, er schärft sie.
Überraschung im Gestein: Der Rekordhalter hatte Nachbarn
Wo heute Asturien liegt, war damals Meer. Ein großer Fischsaurier zog durch das Wasser und stieg zum Atmen an die Oberfläche. Doch er war dort nicht allein.
In derselben Rodiles-Formation stecken auch Reste von Leptonectes, einem zweiten Ichthyosaurier, dessen genaue Art offen bleibt. Die Forschenden sehen in diesem Nebeneinander einen neuen Beleg für Nischenaufteilung. Gemeint ist: Beide Arten nutzten ihren Lebensraum auf unterschiedliche Weise, statt sich gegenseitig dieselben Ressourcen streitig zu machen.
Genau dieses Muster kennt die Forschung bereits von Fundstellen im Südwesten Englands. Zwei weit entfernte Küsten zeigen damit dasselbe Bild.
Spanien rückt an England heran
Der Fund erweitert das bekannte Verbreitungsgebiet der frühjurassischen Ichthyosaurier. Er zeigt außerdem, wie vielfältig und verschachtelt die Tierwelt am Rand der Iberischen Halbinsel war.
Die Meeresgemeinschaften Nordspaniens ähnelten stark denen des jurassischen Meeres über Großbritannien. Was heute Landesgrenzen trennen, verband damals das Wasser, und darin wiederholten sich dieselben Muster des Zusammenlebens.
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