Ein Team um Nathalie Bardet vom Centre de Recherche en Paléontologie in Paris stellt die neue Art im Peer Community Journal vor. Die Knochen stammen aus dem Santonium, einem Abschnitt der Oberkreide vor rund 86 bis 84 Millionen Jahren. Damals pflügten die meisten Mosasaurier mit Paddeln, langem Schädel und seitlich abgeflachtem Schwanz durchs offene Meer.

Paddel? Fehlanzeige. Dieses Tier hatte Beine

Garamaudo bauciensis bricht mit diesem Bauplan. Seine Gliedmaßen sehen aus, als hätten sie ein Tier über festen Boden getragen. Ein Kreuzbein klammert Becken und Wirbelsäule zusammen.

Dazu kommen schwere Knochen. Zumindest Wirbel und Oberarm sind innen ungewöhnlich dicht und massiv gebaut, Fachleute nennen das Osteosklerose. Vom schlanken Oberarm sind sieben Zentimeter erhalten, das Becken misst 14 Zentimeter, etwa so viel wie ein Kugelschreiber.

Auch die Form der einzelnen Knochen passt zu diesem Bild. Die beiden Enden des Oberarms stehen fast im rechten Winkel zueinander. Im Becken sind die Knochen an der Hüftpfanne, in der der Oberschenkel sitzt, miteinander verwachsen. Das Darmbein, der obere Beckenknochen, ist acht Zentimeter lang und zeigt nach hinten. Das Schambein misst 8,3 Zentimeter.

So ähnlich sahen die frühen Mosasaurier aus. Sie hatten Beine wie Landtiere, einen Körper wie ein Waran und lebten in flachen Küstengewässern des Meeres. Laut den Autoren erinnern Oberarm, Becken und Unterkiefer des neuen Fundes an diese ursprünglichen Formen.

Kalk vom Seegrund verrät die Heimat

An der Landstraße RD8 in Bouc-Bel-Air liegt ein kleiner Aufschluss, eine freigelegte Gesteinswand. Beigebraune Mergel, also kalkhaltiger Tonstein, wechseln dort mit grauen Kalkbänken, die sich am Grund eines Süßwassersees absetzten. Spuren des damaligen Erdmagnetfelds, im Gestein eingefroren, grenzen die Schichten wahrscheinlich auf das Santonium ein.

Die Schichten sprechen stark dafür, dass das Tier in einer Süßwasserumgebung lebte. Darin hielt sich Garamaudo wahrscheinlich in geringer Tiefe auf. Wovon es lebte und wie es jagte, verraten die Knochen nicht.

Ungarns Süßwasser-Riese bekommt Gesellschaft

Allein war der Neue nicht. Seit 2000 bergen Forscher in der Bauxitgrube Iharkút in Ungarn Knochen von Pannoniasaurus, dem ersten bekannten Süßwasser-Mosasaurier. Er stammt ebenfalls aus dem Santonium, wurde bis zu sechs Meter lang und lebte nach geochemischen Messungen dauerhaft im Süßwasser.

Auch an anderen Orten in Europa haben Forscher in den vergangenen Jahren Mosasaurier-Reste in Süßwasserablagerungen entdeckt, an mehreren Fundstellen auf dem damaligen Festland. Sie stammen aus dem Santonium und dem darauffolgenden Campanium.

Garamaudo und Pannoniasaurus teilen einen langen, schlanken hinteren Unterkiefer, beim Fund aus der Provence rund 12,8 Zentimeter lang. Auch die Gelenkfortsätze ihrer Wirbel ragen weit nach vorn. Damit stehen zwei benannte Süßwasser-Mosasaurier aus dem Santonium direkt nebeneinander.

Bei den Beinen tappt die Forschung in Ungarn allerdings im Dunkeln, denn von Pannoniasaurus kennt man vor allem Schädel und Wirbel. Der Fund aus der Provence liefert nun Becken- und Gliedmaßenknochen eines weiteren Süßwasser-Mosasauriers.

Die Spur nach Marokko schließt den Kreis

Ein dritter Verwandter lebte früher und weiter südlich. Tethysaurus stammt aus etwa 93 bis 89 Millionen Jahre alten Gesteinen bei Goulmima in Marokko, blieb unter drei Metern und gab den Tethysaurinen ihren Namen. Lange galt er als Bindeglied zwischen sehr ursprünglichen Arten und späteren Mosasauriern, neuere Analysen ordnen ihn inzwischen anders ein.

Unterkiefer und Becken ähneln dem neuen Fund. Nur ein Fortsatz am Kiefergelenk ist bei Tethysaurus länger, dreieckiger und schräger ausgerichtet.

Schon 2013 hielten Fachleute fest, dass Tethysaurus und Pannoniasaurus die alte Bauweise von Beinen und Becken bewahrt hatten. Die Autoren zählen nun auch Garamaudo bauciensis dazu, ebenso einen früher beschriebenen Mosasaurier aus Villeveyrac. Den Ausschlag geben die erhaltenen Gliedmaßen- und Beckenknochen.

Nur eine Linie zog in die Seen

Mehrere Süßwasserformen entstanden laut der Studie ausschließlich bei den Tethysaurinen, und genau diese Linie hielt an den alten Beinen und dem alten Becken fest. Die meisten anderen Mosasaurier bauten ihre Gliedmaßen zur selben Zeit zu Paddeln um und eroberten das offene Meer.

Die Forschenden sehen darin eine mögliche Aufteilung der Lebensräume innerhalb einer einzigen Tiergruppe. Die einen behielten den Körperbau ihrer frühen Verwandten und besetzten wahrscheinlich neue Süßwassernischen. Die anderen eroberten das offene Meer.

Für die Autoren verlief die Entwicklungsgeschichte der Mosasaurier damit vielfältiger als bisher angenommen. Die großen Meeresreptilien der Kreidezeit hatten Verwandte, die wahrscheinlich in Seen lebten.

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