Die berühmten Namen verlieren die Hauptrolle

Diplodocus, Brontosaurus und Apatosaurus gehören zu den bekannten Vertretern der Diplodocoidea. Diese Gruppe großer Pflanzenfresser umfasst drei wichtige Familien: Diplodocidae, Dicraeosauridae und Rebbachisauridae. Die ersten beiden bilden zusammen die Flagellicaudata.

Im späten Jura war deren Vielfalt hoch. Kurz vor oder während des Übergangs zur Kreide vor rund 143,1 Millionen Jahren folgte ein scharfer Einbruch. Besonders die Flagellicaudata traf dieser Wechsel der Tierwelt.

Die Geschichte endet damit aber nicht. In der frühen Kreide rücken die Rebbachisauridae in den Vordergrund, eine andere Familie innerhalb derselben großen Verwandtschaft. Ihre Entwicklung steht hinter der späteren Vielfaltsspitze.

Das ist der entscheidende Wechsel auf der Bühne: Die Kurve der Diplodocoidea steigt erneut, während sich ihre Zusammensetzung verändert. Ein einziger Gruppenname verdeckt, dass verschiedene Familien sehr unterschiedliche Entwicklungen durchlaufen.

Der zweite Gipfel steckt in den Daten

Das Team veröffentlichte die Untersuchung am 10. September 2026 in der Fachzeitschrift Fossil Record. Dafür sammelte es 495 fossile Vorkommensnachweise aus Datenbanken und Fachliteratur. In die Analysen gingen 466 davon ein; die gesamte Sammlung umfasst 43 Gattungen.

Ein solcher Nachweis verbindet ein bestimmtes Tier mit einem Fundort und einem geologischen Zeitraum. Gezählt werden hier unterschiedliche Gattungen und ihre Vorkommen, keine Tierbestände. Ob damals zehn oder zehntausend Tiere durch eine Landschaft zogen, liest diese Kurve nicht ab.

Diplodocus ist beispielsweise ein Gattungsname. Die Forschenden arbeiten auf dieser Ebene, weil sich Fossilien oft schwer bis zur einzelnen Art bestimmen lassen. Sie prüfen also, wie vielfältig die Verwandtschaft war und wie sich diese Vielfalt über die Zeit veränderte.

Dabei kommt es darauf an, wie man die Funde vergleicht. Die schlichte Zählung und die gegen ungleiche Beprobung korrigierte Auswertung zeichnen unterschiedliche Kurven. Genau darin steckt die überraschende Wendung dieser Arbeit.

Ein Fossilschatz verzerrt das Bild

Die Morrison-Formation ist im Datensatz ein Schwergewicht. Aus ihr stammen rund 71 Prozent sämtlicher erfasster Nachweise und rund 87 Prozent der Jura-Nachweise. Ein so großer Fundanteil prägt zwangsläufig den ersten Blick auf die Vielfalt.

Qualitative Illustration ungleicher Fossilbeprobung, keine Messgrafik. Die Studie analysierte 466 Nachweise aus einer Sammlung mit 43 Gattungen; der Fundanteil der Morrison-Formation verzerrt die einfache Zählung.
Qualitative Illustration ungleicher Fossilbeprobung, keine Messgrafik. Die Studie analysierte 466 Nachweise aus einer Sammlung mit 43 Gattungen; der Fundanteil der Morrison-Formation verzerrt die einfache Zählung. · Bild: Tiefenzeit · KI-generierte Illustration

Wo besonders viele Fossilien gesammelt und untersucht wurden, treten auch mehr Gattungen ans Licht. Ein gut erforschter Gesteinsbestand erhält dadurch ein größeres Gewicht als schlechter untersuchte Regionen. Das kann einen Vielfaltshöhepunkt verstärken, ohne dass die Tiere überall entsprechend vielfältiger waren.

Das Team gleicht deshalb die Vollständigkeit der Stichproben zwischen den Zeitabschnitten statistisch an. Einfach gesagt: Die Abschnitte sollen mit vergleichbaren Chancen in die Auswertung gehen. Ein besonders reich gefülltes Fundarchiv soll den Vergleich nicht allein entscheiden.

Nach dieser Korrektur verschwindet der untersuchte Morrison-Effekt im entsprechenden Modell. Die Schätzungen zeigen im späten Jura eine relativ stabile Vielfalt und danach den Einbruch am Übergang zur Kreide. Der spätere Gipfel liegt im Aptium.

Dessen Höhe bleibt unsicher, weil die Berechnung auch zeitlich weniger genau eingeordnete Funde benötigt und dadurch die Vielfalt überschätzen kann. Trotzdem hebt sich der zweite Gipfel in der Auswertung klar nach dem Rückgang der Flagellicaudata ab.

Die Landkarte zeigt einen zweiten Unterschied

Auch geografisch ergibt sich kein einheitliches Bild aller Langhälse. Die Flagellicaudata konzentrieren sich in der Analyse überwiegend auf höhere Breitengrade beider Erdhalbkugeln. Die Rebbachisauridae decken dagegen den gesamten für Diplodocoidea belegten Breitengradbereich ab, einschließlich äquatorialer und äquatornaher Regionen.

Dieser Unterschied reicht über die Frage hinaus, welche Familie besonders viele Gattungen stellte. Es geht zugleich darum, wo ihre Vertreter nachgewiesen sind. Die neue Vielfaltsspitze erhält so ein eigenes geografisches Profil.

Ein breiter Bereich von Breitengraden bedeutet allerdings nicht, dass die Rebbachisauridae überall lebten: Für mehrere große Regionen fehlen überzeugende Nachweise oder sie sind äußerst selten. Die Landkarte der Funde bleibt eine Karte der erhaltenen und untersuchten Spuren.

Neue Hauptdarsteller, offene Ursachen

Die Autoren diskutieren unterschiedliche ökologische Strategien und klimatische Einschränkungen als mögliche Erklärung, belegen aber keine Klimaveränderung als Ursache des Booms. Der Wechsel zwischen den Familien ist in den Daten greifbar; weshalb er genau so verlief, bleibt Forschungsarbeit.

Die Rebbachisauridae überdauerten sowohl die Diplodocidae als auch die Dicraeosauridae. Damit beschränkt sich ihre Rolle nicht auf einen einzelnen hohen Punkt in der Vielfaltsschätzung. Sie tragen einen späteren Abschnitt der Geschichte dieser Dinosauriergruppe.

Der Befund dreht die einfache Niedergangsgeschichte um. Auf den Einbruch folgt eine neue Vielfaltsspitze, getragen von einer anderen Familie. Die Langhälse haben in dieser Analyse nach dem Absturz noch einen großen zweiten Auftritt.