Ein Team um Ralf Werneburg berichtet in der Fachzeitschrift „Fossil Imprint“ über die neuen Fossilien. Sie stammen aus dem Zbýšov-Horizont, einer Gesteinsschicht der Padochov-Formation. Sie passen zu dem Material, das der Forscher Augusta 1947 vom selben Ort beschrieben hatte.
1947 benannt, heute verschollen
Augusta beschrieb damals zwei Formen: Moraverpeton remesi und einen nicht näher bestimmten Branchiosaurus. Beide stellte er zu den Branchiosauriden, einer Familie urtümlicher Amphibien. Heute gelten diese Knochen als sehr wahrscheinlich verloren.
Ohne Original lässt sich ein Artname kaum noch überprüfen. Das Team setzt deshalb einen Neotyp ein, also ein neues Referenzfossil, das den Platz des verlorenen Originals übernimmt. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Moraverpeton remesi eindeutig zu den Branchiosauriden gehört und in die Gattung Branchiosaurus wechselt, die Fritsch 1876 aufgestellt hatte.
20 Zähne und ein Schädel mit Grübchen verraten die Art
Im Oberkiefer sitzen etwa 20 Zähne. Dieses Detail ist eines von elf Merkmalen, die in dieser Kombination nur bei Branchiosaurus remesi vorkommen. Dazu zählen ein breiter, fast quadratischer Knochen hinten am Schädeldach und ein früh ausgebildetes Muster aus Grübchen und Leisten auf den mittleren Schädelknochen.
Klare Merkmale braucht diese Gattung dringend. Nach ihrer Erstbeschreibung landete Branchiosaurus wegen einer angeblich ungewöhnlichen Wirbelstruktur sogar in einer eigenen Ordnung. Später entpuppten sich manche Funde als Larven größerer Amphibien wie Eryops, andere als Tiere, die ihre Kiemen ein Leben lang behielten.
Bis heute ist bei vielen beschriebenen Arten unsicher, ob sie gültig sind. Ein festes Referenzfossil schafft hier Ordnung.
Im See von Zbýšov gaben zeitweise die Lurche den Ton an
Junge Muscheln prägen den Seegrund. Kleine Fische ziehen vorbei, seltener auch Stachelhaie der Gattung Acanthodes, Süßwasserhaie und Schalenkrebse (Conchostraken), dazwischen treiben Algen. Mittendrin schwimmen die Lurche der Gattung Branchiosaurus.
Laut Studie beherrschten Amphibien diesen See zeitweise. Die Population gehört zum sogenannten Bachtyp, und dieser Typ spricht für viel Sauerstoff im Wasser. Möglicherweise speiste ein Fluss den See.
Der See lag im äquatorialen Teil von Pangaea, dem damaligen Superkontinent. Das Boskovice-Becken ist ein eingesunkener Graben am Ostrand der Böhmischen Masse, rund 100 Kilometer lang und 3 bis 10 Kilometer breit. Flüsse füllten ihn meist mit roten Sedimenten, nur einzelne graue Seeschichten stecken voller Fossilien.
Auch an Land war Leben. In Zbýšov sind Fährten von Diadectomorphen belegt, einer Gruppe früher Vierbeiner, die Fährtenart heißt Ichniotherium sphaerodactylum.
Im Nachbarsee hatten die Fische das Sagen
In Moravský Krumlov sah es ganz anders aus. Dort dominierten Strahlenflosser, zu denen die meisten heutigen Fische gehören, und Xenacanthiden, eine Gruppe urtümlicher Süßwasserhaie. Von den Lurchen fand sich nur ein einziges Exemplar, und es gehört sehr wahrscheinlich zu Branchiosaurus remesi.
Bei nah verwandten Branchiosauriden mit Kiemen sind zwei Lebenswege belegt. Manche verwandelten sich vollständig in Landtiere. Andere wählten die Neotenie, den lebenslangen Verbleib im Wasser mit Kiemen.
Der Axolotl lebt diesen zweiten Weg noch heute. Er wird geschlechtsreif, ohne je an Land zu wechseln, und behält seine äußeren Kiemen. Woher die Aufspaltung in zwei Lebenswege stammt und was sie steuert, ist in der Forschung noch offen.
Fast 80 Jahre später wieder ein fester Maßstab
Die Originalknochen von Branchiosaurus remesi gelten fast 80 Jahre nach ihrer Beschreibung als sehr wahrscheinlich verschollen. Mit dem neuen Referenzfossil hat die Art wieder einen festen Anker, und jeder künftige Fund lässt sich daran messen.
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