Ein Team um Sulagna Sen vom Department of Geology and Geophysics des Indian Institute of Technology Kharagpur stellt den Fund in der Fachzeitschrift „The Anatomical Record“ vor. Die Knochen stammen aus der Tiki-Formation im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh. Diese Gesteinsschichten haben Flüsse in der späten Trias abgelagert. So heißt das Erdzeitalter, aus dem auch die ersten Dinosaurier bekannt sind.
Drei Zähne stehen schräg aus dem Maul
Ganz vorn im Oberkiefer sitzen fünf Zähne. Die vorderen drei sind rund wie kleine Stifte und stehen schräg aus dem Maul heraus.
Auch der Rest des Gebisses fällt aus dem Rahmen. Die obere Zahnreihe ist im Verhältnis kürzer als die untere, und die Spitze des Unterkiefers liegt fast auf einer Linie mit dem übrigen Zahnrand. Kein anderer bekannter Silesaurier zeigt diese Kombination, und genau sie macht den Fund zu einer eigenen Gattung und Art.
Die Forscher deuten das Gebiss als Greifzange. Damit packte Rewasaurus minori weiche, leicht zu verarbeitende Beutetiere und Pflanzenteile aus den Flussebenen der Tiki-Landschaft.
Ein Greifer zwischen Krokodil-Verwandten
In der Rekonstruktion läuft das Tier durch die feuchte Uferebene, schiebt die Schnauze ins Grün und zupft mit den Vorderzähnen weiche Happen heraus. Gemütlich war die Nachbarschaft nicht.
Aus derselben Formation kennt man Phytosaurier, also krokodilähnliche Panzerechsen wie Parasuchus. Dazu kommen große urtümliche Amphibien wie Metoposaurus und frühe Verwandte der Säugetiere.
Auf dem Speiseplan der Silesaurier stand nicht überall dasselbe. Frühe Vertreter wie Lewisuchus trugen gesägte Messerzähne und fraßen vermutlich Fleisch, spätere wie Kwanasaurus hatten blattförmige Zähne und einen Hornschnabel für Pflanzen. Bei Silesaurus weist versteinerter Kot sogar auf Insekten hin, und das Greifgebiss aus Indien passt gut in diese Bandbreite.
Zwei Oberschenkel und keiner gehört sicher dazu
In derselben Gesteinsschicht kamen zwei einzelne, teilweise erhaltene Oberschenkelknochen ans Licht. Auch sie stammen nach der Analyse von einem Silesaurier. Damit schien ein Tier mit Kopf und Beinen zum Greifen nah.
Die Knochen lagen aber an einer anderen Fundstelle. Außerdem fehlen Skelettteile, die bei beiden Funden erhalten sind und sich direkt vergleichen ließen. Ob die Beine zu Rewasaurus minori gehören, bleibt deshalb offen.
Ein Tier, zwei Plätze in der Familie
Die Verwandtschaft berechnete das Team mit zwei großen Merkmalstabellen, in denen Knochenmerkmale vieler Arten erfasst sind. Nach der ersten steht Rewasaurus minori mitten unter den Silesauriern, ohne erkennbaren nächsten Verwandten.
Nach der zweiten ist er ein früher Vogelbecken-Dinosaurier und gehört damit zu einer der großen Dinosaurierlinien. Sein nächster Verwandter wäre dann Diodorus scytobrachion.
Dieser Zwiespalt zieht sich durch die ganze Forschung. Manche Studien sehen Silesaurier als Schwestergruppe direkt neben den Dinosauriern, andere stellen sie an den Anfang der Vogelbecken-Dinosaurier. Setzt sich die zweite Sicht durch, zählen Tiere wie Rewasaurus minori zu den ältesten bekannten Vertretern dieser Linie.
Silesaurier lebten in vielen Teilen von Pangäa, dem Urkontinent, der damals fast alle Landmassen vereinte. In Südbrasilien beschrieben Forscher 2025 die Art Itaguyra occulta. Sie ist rund 237 Millionen Jahre alt und nur durch Beckenknochen bekannt.
Der Zug nach Osten begann spät
Die Forscher legten den Familienbaum zusätzlich auf eine Zeitachse. Darauf zeichnen sich zwei große Schübe ab, in denen die Silesaurier neue Formen hervorbrachten. Die Gruppe breitete sich nach Osten und nach Norden aus, wobei der Zug nach Osten deutlich später einsetzte.
Im Rhät, dem allerletzten Abschnitt der Trias, werden Silesaurier und eindeutige Vogelbecken-Dinosaurier auffällig selten. Die Autoren halten einen Zusammenhang mit weltweiten Umweltstörungen beim Übergang in diesen Abschnitt für möglich.
Ein halber Kopf aus Indien macht eine Lücke auf der Landkarte der Urzeit kleiner. Wohin dieses Tier in der Familie der Dinosaurier gehört, bleibt vorerst offen.
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