Vor etwa 13.000 Jahren lag dort, wo heute bei Clovis in New Mexico trockenes Farmland ist, ein See, gespeist von Quellen, mitten in einer weiten Grasebene. Das Wasser zog die großen Tiere der Eiszeit an und mit ihnen die Jäger der Clovis-Kultur. Unsere Zeitreise-Folge zeigt einen Tag an diesem See. Hier steht, was davon belegt ist, was Rekonstruktion bleibt und woher wir es wissen.

Blackwater Draw: der Ort, an dem die Mammutjagd bewiesen wurde

Der Fundort heißt Blackwater Draw. Er gilt als Typlokalität der Clovis-Kultur, also als der Ort, nach dem Forschende diese älteste klar definierte Kultur Nordamerikas benennen. Als dort ab 1932 gegraben wurde, lagen Clovis-Spitzen direkt zwischen Mammutknochen. Das war der erste eindeutige Beleg dafür, dass Menschen in Amerika Mammuts jagten. In über 80 Jahren Grabungsarbeit kamen an diesem einen Ort mindestens 28 Mammuts zutage.

Die Clovis-Kultur datiert kalibriert auf etwa 13.050 bis 12.750 Jahre vor heute. Sie dauerte also nur wenige Jahrhunderte.

Welche Tiere am See lebten

Die Fundliste von Blackwater Draw liest sich wie ein komplettes Ökosystem der späten Eiszeit: Columbia-Mammuts, Bisons, Pferde, Kamele, Riesenfaultiere, Säbelzahnkatzen und Direwölfe. Amerikanische Löwen sind an diesem Fundort selbst nicht direkt belegt, lebten aber zur selben Zeit in der Region. Nicht jede Art stammt zwingend aus derselben Fundschicht wie die Clovis-Spitzen, aber alle gehören in diese Region und diese Zeit.

- *Columbia-Mammut (Mammuthus columbi): Ein ausgewachsener Bulle wurde fast vier Meter hoch und fast zehn Tonnen schwer, größer als jeder heute lebende Elefant. Die Gewichte sind aus Knochenmaßen errechnet. Es ist nicht das zottelige Wollmammut aus dem Norden, sondern lebte in wärmeren Ebenen und trug weniger Fell. Welche Fellfarbe es hatte, ist nicht überliefert; die Farbe im Film ist eine Annahme der Rekonstruktion. - Bison antiquus: rund ein Viertel massiger als der heutige Bison, über zwei Meter hoch, mit fast einem Meter Hornspannweite. - Camelops: ein echtes Kamel, in Nordamerika zu Hause. Ob es einen Höcker hatte, weiß bis heute niemand. - Amerikanischer Löwe: rund ein Viertel größer und schwerer als ein Löwe von heute. Er starb erst nach den Clovis-Menschen aus. - Harlan-Riesenfaultier (Paramylodon harlani): aufgerichtet weit über zwei Meter hoch und über eine Tonne schwer, so viel wie ein Kleinwagen. - Säbelzahnkatze (Smilodon fatalis): kein Tiger, sondern eine eigene Katzenlinie, etwa so schwer wie ein Löwe, aber gedrungener. Die langen oberen Eckzähne sind fein gesägt, gemacht für einen gezielten Biss, nicht zum Knacken von Knochen. Wie ihr Fell aussah und wie sie auf Menschen reagierte, ist unbekannt. - Direwolf (Aenocyon dirus):* etwa so groß wie die größten Grauwölfe, aber kräftiger gebaut.

So lebten die Clovis-Menschen

Die Clovis-Menschen lebten in kleinen Gruppen und zogen ständig weiter; feste Dörfer sind nicht belegt. Nadeln aus Knochen zeigen, dass sie Felle zu Kleidung nähten. Wie diese Kleidung genau aussah, ist nicht überliefert, denn erhalten blieben nur die Werkzeuge.

Ihr bekanntestes Werkzeug ist die Clovis-Spitze: lanzettförmig, auf beiden Seiten bearbeitet, mit einer Längsrille an der Basis. Die Rille ist kein Schmuck, sie hilft, die Spitze im Holzschaft zu befestigen. Das Steinmaterial holten die Menschen oft von weit her, manchmal aus über 900 Kilometern Entfernung. Ob sie selbst so weit liefen oder das Material weitergegeben wurde, lässt sich nicht sicher unterscheiden.

Wie die Mammutjagd ablief und was offen bleibt

Eine Speerschleuder ist für die Clovis-Zeit nirgends gefunden worden; sie taucht erst Jahrtausende später auf. Clovis-Jäger mussten also nah heran und stachen oder warfen ihre Speere aus kurzer Entfernung. Fehlende Funde schließen eine Nutzung allerdings nicht völlig aus.

Wie eine solche Jagd im Einzelnen ablief, ob allein oder in Gruppen, als Treibjagd oder aus dem Hinterhalt, weiß niemand. Die Szene in unserem Film, in der die Jäger ein zurückbleibendes Tier wählen, ist eine filmische Rekonstruktion. Belegt ist die Verbindung von Spitze und Beute im Boden.

Dass Mammuts für diese Menschen keine Ausnahme waren, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2024: Die Isotopenwerte im Knochen eines Clovis-Kindes aus Montana deuten darauf hin, dass fast die Hälfte der Nahrung seiner Mutter von Mammuts stammte. Die Studie stützt sich auf ein einziges Individuum; andere Clovis-Gruppen können sich anders ernährt haben. In Murray Springs in Arizona liegen zudem fünf Jagdschichten übereinander: Die Jäger kamen immer wieder an dieselbe Stelle zurück.

Waren die Clovis-Menschen die ersten Amerikaner?

Nein. In White Sands in New Mexico, knapp 500 Kilometer von Blackwater Draw entfernt, haben Menschen schon vor etwa 21.000 bis 23.000 Jahren Fußspuren hinterlassen. Unabhängige Datierungen haben dieses Alter 2023 bestätigt, die Diskussion darüber ist aber nicht vollständig abgeschlossen. Wer diese frühen Menschen waren und ob sie Vorfahren der Clovis-Menschen sind, ist offen.

Das Anzick-Kind und die Nachfahren

In Montana begruben Menschen der Clovis-Kultur vor fast 13.000 Jahren ein Kleinkind. Sie legten es unter mehr als 115 Werkzeuge und bestreuten es mit rotem Ocker. Das Anzick-Kind ist bis heute der einzige Mensch, der direkt mit der Clovis-Kultur verbunden ist. Sein Erbgut wurde 2014 entschlüsselt. Es zeigt eine enge Verwandtschaft mit vielen indigenen Völkern Amerikas, am engsten mit Völkern in Mittel- und Südamerika.

Warum die Mammuts verschwanden

Kurz nach der Clovis-Zeit verschwanden das Columbia-Mammut und fast alle großen Tiere Nordamerikas. Ob die Jagd der Menschen, der Klimawandel am Ende der Eiszeit oder beides zusammen den Ausschlag gab, ist bis heute umstritten. Sicher ist nur der Unterschied, mit dem unsere Folge endet: Die Mammuts vom See sind verschwunden, die Menschen von damals nicht. Ihre Nachfahren leben bis heute.

Die Folge in Kapiteln

- 0:00 Zeitreise: 13.000 Jahre zurück - 0:39 Ankunft am See der Mammuts - 2:24 Kamele, Pferde und Löwen an der Tränke - 4:03 Das Riesenfaultier - 5:02 Die Säbelzahnkatze - 5:50 Im Lager der Clovis-Jäger - 7:15 Die Mammutjagd - 9:09 Die Wölfe kommen - 9:44 Nacht am Feuer - 10:41 Was bis heute bleibt

Hinweis: Tiere, Menschen und Landschaft im Video sind KI-generierte Rekonstruktionen nach dem heutigen Forschungsstand. Farben, Kleidung und Verhalten sind teils nicht belegt. Die Fakten im Text sind wissenschaftlich geprüft.