Ein Team um Sebastian Jiménez-Villalón von der Universidad de Chile berichtet darüber in der Fachzeitschrift „Science Advances“. Die Forscher untersuchten Embryonen von Vögeln und anderen Reptilien in der Phase, bevor die Knochen hart werden. Dichte Zellhaufen skizzieren dort den späteren Knochen wie mit dem Bleistift vor.

Der Wunschknochen hat drei mögliche Ursprünge

Wer beim Brathähnchen den Wunschknochen zieht, hält ein Gabelbein in der Hand. Es sitzt wie eine Klammer vor der Brust, und seine Herkunft ist bis heute umstritten.

Drei Erklärungen standen sich gegenüber. Das Gabelbein könnte aus den beiden Schlüsselbeinen hervorgegangen sein oder aus der Interclavicula, einem einzelnen Mittelknochen zwischen den Schlüsselbeinen vieler Reptilien. Die dritte Erklärung lautete: aus beidem zusammen.

Die Arme des V entsprechen alten Schlüsselbeinen

Die Embryonen liefern die stärkste Spur für den ersten Teil des Streits. Die paarigen Zellhaufen liegen genau dort, wo Reptilien ihre Schlüsselbeine anlegen. Auch die Stellen, an denen sie zu Knochen werden, passen dazu.

Demnach spricht vieles dafür, dass die beiden seitlichen Arme des Gabelbeins den Schlüsselbeinen der Reptilien entsprechen. Für die Mitte des V blieb die Frage offen.

Im Steißhuhn-Ei taucht ein drittes Stück auf

Dann kommt der Ausreißer: das Chile-Steißhuhn (Nothoprocta perdicaria). Es ist mit Strauß und Emu verwandt, kann aber anders als diese noch fliegen. In seinen Embryonen entdeckten die Forscher einen dritten Zellhaufen, genau in der Mitte zwischen den beiden Schlüsselbein-Anlagen, und er gleicht dem Mittelknochen der Reptilien.

Das Mittelstück verschmilzt schnell mit seinen Nachbarn. Danach bildet es trotzdem ein eigenes Verknöcherungszentrum, also einen eigenen Punkt, von dem aus Knochen entsteht.

Das Team prüfte, bei welchen Reptilien und Vögeln dieses Muster vorkommt. Seine Verteilung im Stammbaum stützt ein zusammengesetztes Gabelbein aus zwei Schlüsselbeinen und dem Mittelknochen.

Die Naht verschwindet, bevor sie entsteht

Die Bauteile verschmelzen so früh, dass ein nahtloser Knochen heranwächst. Das könnte erklären, warum versteinerte Gabelbeine ihre Herkunft bisher nicht preisgaben. Im Gestein liegt nur das fertige V, ohne Fuge und ohne Spur der Einzelteile.

Schon 2013 widersprachen die Forscher Tschopp und Mateus der verbreiteten Ansicht, das Gabelbein bestehe aus verschmolzenen Schlüsselbeinen. Sie untersuchten Diplodociden, eine Familie der Sauropoden, also pflanzenfressender Riesendinosaurier. Daraus schlossen sie, dass das Gabelbein ein umgeformter Mittelknochen sei.

Die Embryonen sprechen dafür, dass beide Lager recht hatten, weil beide Ursprünge in einem einzigen Knochen stecken. Nach Lesart der Studie gehen die Arme auf die Schlüsselbeine zurück, während die Mitte ein eigenes Stück beisteuert.

Die Spur lag im Ei

Ein Gabelbein im Fels kann aus drei Bauteilen bestehen, auch wenn keine Naht davon erzählt. Den entscheidenden Hinweis lieferte ein Vogel, der heute durch Gebüsch und trockene Bergwälder Zentralchiles läuft, zwischen 400 und 2000 Metern Höhe.

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