Ein Team um Alexis Licht von der Aix Marseille University berichtet darüber in der Fachzeitschrift „Communications Earth & Environment“. Die Gesteinsschichten im Nordosten Thailands stecken voller Knochen. Wie alt sie wirklich sind, blieb lange unklar.

Sandkörner als Stoppuhr der Urzeit

Die Lösung lag in Zirkon, winzigen und extrem harten Kristallen, die Flüsse aus altem Gestein waschen und in neuen Schichten ablagern. In ihrem Inneren zerfällt Uran mit fester Geschwindigkeit zu Blei. Diese eingebaute Uhr lesen Fachleute mit der Uran-Blei-Datierung ab.

Das jüngste Korn einer Schicht verrät ihr maximales Ablagerungsalter, also den frühesten Zeitpunkt, an dem sie entstanden sein kann. Ein Gestein kann nie älter sein als die Körner, aus denen es besteht. Je mehr Körner gemessen werden, desto sicherer taucht dieses jüngste auf.

600 Körner statt 100: Darum lag die alte Uhr daneben

Genau hier schlägt das Team zu. Pro Probe beschossen die Forschenden zwischen 150 und 600 Zirkone mit einem Laser. Sein Strahl maß 25 Mikrometer, etwa ein Drittel eines menschlichen Haares.

Frühere Studien kamen laut den Autoren oft mit weniger als 100 Körnern pro Probe aus. Für ein belastbares Alter reicht das nach ihrer Einschätzung meist nicht. Ein Teil der alten, abweichenden Datierungen geht damit auf zu kleine Stichproben zurück.

Sechs Rechenwege für das Ablagerungsalter stellte das Team gegeneinander. Am Ende setzten die Forschenden auf den Mittelwert aus der jüngsten Gruppe von mindestens drei sich überlappenden Zirkon-Altern. Ein einzelner Ausreißer kann die Uhr so nicht mehr verstellen.

Ein Langhals verliert seinen Rekord

Die größte Folge trifft einen berühmten Fund. Isanosaurus attavipachi kam 1998 bei Ban Non Thaworn in der Provinz Chaiyaphum ans Licht und galt lange als Tier der späten Trias, der Epoche vor dem Jura. Damit stand er unter den frühesten Sauropoden der Welt, den langhalsigen Riesen auf vier Beinen, zu denen später die größten Landtiere aller Zeiten gehörten.

Die neue Datierung wirft Isanosaurus attavipachi aus der Trias. Laut den Autoren begann die Auffächerung echter Sauropoden damit erst im frühen Jura. Die Uhr der Evolution springt um Millionen Jahre nach vorn.

Auch die Sauropodomorphen, die größere Gruppe aus Langhals-Dinosauriern und ihren frühen Vorfahren, sind auf dem Khorat-Plateau deutlich jünger als angenommen. Die Nam-Phong-Formation galt als Heimat einiger der ältesten Vertreter. Jetzt landet sie im Pliensbachium, mitten im frühen Jura.

Langhälse und Räuber im Takt mit Amerika und Afrika

Etwa 150 Millionen Jahre vor heute reißt ein Sauropode Zweige aus einer Baumkrone. Einige Dutzend Meter entfernt verharrt ein Raubsaurier aus der Verwandtschaft des Allosaurus. Solche Tiere hinterließen ihre Knochen in der Phu-Kradung-Formation, bekannt für weiter entwickelte Sauropoden und Allosaurus-Verwandte.

Die Formation reicht nun vom Kimmeridgium bis ins frühe Berriasium, rund 155 bis 140 Millionen Jahre. Sie überspannt damit das Ende des Jura und den Beginn der Kreidezeit. Erst diese Datierung erlaubt den direkten Zeitvergleich mit zwei der bekanntesten Fundstellen der Welt.

Die Morrison-Formation im Westen der USA stammt aus dem späten Jura, etwa 163,5 bis 145 Millionen Jahre alt. Dort lebten Apatosaurus, Diplodocus und Allosaurus. Die Tendaguru-Formation in Tansania reicht von etwa 165 bis 130 Millionen Jahren und zeigt auffällige Ähnlichkeiten mit der Tierwelt aus Morrison.

Laut der neuen Studie überschneidet sich die Phu-Kradung-Fauna zeitlich weitgehend mit beiden. Thailands Langhälse und Räuber teilten also ihre Epoche mit den Stars der amerikanischen und afrikanischen Museen.

Vom Riesenknochen im Flussbett zur Vogelbecken-Welt

Thailands Dinosaurierforschung begann 1976 mit einem Zufall. Der Geologe Sudham Yaemniyom stieß am Phu Wiang in einem Flussbett auf den Oberschenkelknochen eines Sauropoden. Die meisten Fossilien dort stammen aus der Unterkreide, rund 130 Millionen Jahre alt.

Am Phu Wiang fanden sich pflanzenfressende Sauropoden neben fleischfressenden Theropoden, also Raubsauriern, in unterschiedlicher Größe. In diese Zeit fällt die artenreiche Sao-Khua-Formation. Die neue Datierung stellt sie ins Hauterivium und Barremium, etwa 130 bis 120 Millionen Jahre.

Danach kippt die Tierwelt. In der Khok-Kruat-Formation, rund 120 bis 100 Millionen Jahre alt, übernehmen Vogelbeckensaurier das Kommando, eine große Dinosauriergruppe mit vogelähnlich gebautem Becken.

Noch später verwandelt sich die Landschaft selbst. Für die jüngere Maha-Sarakham- und Phu-Tok-Formation passt ein Alter im Cenomanium, der frühen Oberkreide. Ihre Salz- und Dünenablagerungen fügen sich zu trockenen bis wüstenartigen Verhältnissen, die damals in ganz Ostasien herrschten.

Thailand schließt eine Lücke im Tropenarchiv

Mit der neuen Zeitleiste folgt der Wechsel der Tierwelt auf dem Khorat-Plateau demselben Takt wie auf den Urkontinenten Laurasia im Norden und Gondwana im Süden. Aus den Tropen, wo der Fossilbericht bislang dünn ist, kommt damit eine fest datierte Abfolge über rund 90 Millionen Jahre Dinosauriergeschichte. Die Knochen lagen längst in den Museen, erst die Kristalle gaben ihnen ihre Zeit zurück.

---