Sofort steht ein Verdacht im Raum: Waren die kleinen Räuber hinter dem Großen her? Vorher muss eine härtere Frage beantwortet werden. Woran lässt sich an einem Abdruck im Gestein ablesen, wann er entstanden ist?
Fährten in Hülle und Fülle, gemeinsame Auftritte viel seltener
Das Cleveland-Becken in Yorkshire ist für Fährtenforscher eine Schatzkammer. Im Mittleren Jura liefen hier Dinosaurier in großer Zahl umher und drückten ihre Füße in den Boden.
Diese Fülle hat einen Haken. Ein Abdruck zeigt, welche Art von Tier hier lief. Wann das geschah, zeigt er nicht von selbst.
Zwei Spuren auf derselben Gesteinsfläche können im selben Augenblick entstanden sein oder weit auseinanderliegen. Deshalb braucht jede Aussage über gleichzeitige Anwesenheit mehr als nur zwei Abdrücke nebeneinander.
Ein Riesenfuß zwischen Räubertritten
Die neue Fundstelle fällt aus dem gewohnten Bild. Dort liegt ein einzelner Abdruck eines großen Ornithopoden. So heißt eine Gruppe pflanzenfressender Dinosaurier.
Direkt daneben finden sich mehrere Abdrücke kleinerer Theropoden. Zu dieser Gruppe gehören die fleischfressenden Dinosaurier.
Die Tritte verlieren sich nicht irgendwo im Gelände, sie liegen dicht beieinander im selben Bereich. Größer kann der Kontrast kaum ausfallen: auf der einen Seite ein großer Pflanzenfresser, auf der anderen mehrere kleinere Fleischfresser, alle auf demselben Stück Boden.
Zwei Dinosaurier-Typen, wahrscheinlich ein Zeitfenster
Jetzt kommt der Befund, der diese Fundstelle heraushebt. Nach den Belegen der Forschenden entstanden die Abdrücke wahrscheinlich zur selben Zeit. Der Große und die Kleinen waren demnach wahrscheinlich zeitgleich an diesem Ort unterwegs.
Damit bekommt die Fläche eine neue Bedeutung. Aus einer Sammlung einzelner Tritte wird ein wahrscheinlicher Hinweis darauf, welche Dinosaurier gleichzeitig denselben Lebensraum nutzten.
Eine mögliche Rekonstruktion sieht so aus: Der große Pflanzenfresser setzt seinen Fuß in feuchten Grund, und der Boden gibt unter dem Gewicht nach. Kurz davor oder kurz danach laufen kleinere Räuber über dieselbe Fläche und drücken ihre Tritte in den Schlamm.
Jagd im Jura? Hier verstummen die Spuren
Warum trafen der Große und die Kleinen gerade hier aufeinander? Die Autoren wagen eine vorsichtige Deutung ihres Verhaltens. Dazu gehört ein mögliches Szenario von Jäger und Beute.
Der Gedanke elektrisiert: kleinere Fleischfresser, die sich an einen großen Pflanzenfresser heranmachen. Einen Beweis dafür liefern die Abdrücke nicht, und die Forschenden stellen die Idee ausdrücklich nur als vorsichtigen Vorschlag vor.
Mehr geben Fußabdrücke nicht her. Sie halten fest, wer wo lief, und schweigen über alles, was danach geschah.
Ein Fleck Boden zeigt, wer sich wohl denselben Ort teilte
Knochen zeigen, wie ein Dinosaurier gebaut war. Spuren aus demselben Zeitfenster können zeigen, welche Tiere sich einen Lebensraum teilten und wem ein Tier dort begegnen konnte.
Solche Belege sind in Yorkshire deutlich seltener als einzelne Fährten. Deshalb hat dieser Fund Gewicht: Er gibt einen kurzen Einblick in das Zusammenleben von Pflanzenfressern und Räubern im Mittleren Jura.
Irgendwo in diesem uralten Yorkshire setzte ein großer Pflanzenfresser seinen Fuß auf, und wahrscheinlich waren kleinere Räuber zur selben Zeit ganz in der Nähe. Ob es überhaupt zu einer Begegnung kam und wie sie ausging, verraten die Spuren nicht.
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