Ein Team um Alfred A. J. Lemierre vom Royal Tyrrell Museum of Palaeontology präsentiert den Hörnerschädel jetzt im Fachblatt „Zoological Journal of the Linnean Society“. Damit bekommt ein Sonderfall der Erdgeschichte endlich ein Gesicht. Der Frosch zählt zu den modernen Fröschen, den Neobatrachia, und ist die einzige bekannte Art dieser Gruppe aus dem Erdmittelalter, die auf den Nordkontinenten jener Zeit lebte.

Ein gehörnter Frosch zwischen Dinosauriern

Die Flüsse von Iharkút im Komitat Veszprém lagerten damals Kies, Sand, Schlick und Ton in immer neuen Lagen ab. Wie genau der Frosch in dieser Aue lebte, lässt sich aus seinen Knochen nicht ablesen.

Rundherum lebten deutlich größere Nachbarn. Am selben Fundort kamen der Panzerdinosaurier Hungarosaurus tormai, der Horndinosaurier Ajkaceratops kozmai und Pannoniasaurus inexpectatus zutage. Letzterer war ein Mosasaurier, also eine Wasserechse, und jagte im Süßwasser.

Auch ein zweiter Frosch, Bakonybatrachus fedori, stammt aus Iharkút. Der Frosch mit den Knochenspitzen dagegen ließ sich jahrelang nicht sicher einordnen.

Erst Splitter, dann zwei Schubladen

Lange kannte die Forschung das Tier nur aus Bruchstücken: Hüftknochen, Unterschenkel, Oberkiefer sowie einzelne Teile von Unterkiefer und Schädel. Mit so wenig Material ordneten Forscher den Frosch zunächst einer großen Froschgruppe zu und 2021 einer anderen.

Das Team von 2021 vermutete außerdem, dass seine Vorfahren aus Afrika über die Region des Urmittelmeers nach Europa eingewandert waren. Ein zusammenhängender Schädel fehlte bis dahin.

Der Schädel trägt Hörner

Dann tauchte der Schädel auf. Er ist räumlich erhalten, und seine Knochen sitzen noch so zusammen wie im lebenden Tier. Erhalten ist vor allem der hintere Teil des Kopfes mit Rückwand, Seiten, Boden und Dach des Schädels.

An den oberen hinteren Ecken wächst je ein hornartiger Fortsatz heraus. Gebildet wird er vom Knochen an der Schädelseite, der sich mit zwei Ausläufern weit nach hinten streckt und in einer Spitze ausläuft. Mit diesem seltenen Merkmal hatte das Team nicht gerechnet.

Nur zwei weitere Froschgattungen tragen solchen Kopfschmuck

Unter allen Froschlurchen besitzen sonst nur zwei Gattungen solche Spitzen am Hinterkopf: alle Arten von Hemiphractus und einige Arten von Ceratophrys. Bei jeder der drei Gattungen sind die Spitzen anders gebaut und anders geformt.

Bei den südamerikanischen Hornfröschen der Gattung Hemiphractus gehören die Knochenspitzen zu einem Schädelschild. Beim Frosch aus Ungarn stehen sie als eigene Hörner ab.

Die Spur führt auf die Südkontinente

Dann kommt die Wendung im Stammbaum. Die neue Verwandtschaftsanalyse vergleicht Merkmal für Merkmal, wer mit wem verwandt ist, und schickt die Spur des Ungarn-Froschs weit nach Süden. Zusammen mit vier weiteren Froscharten der späten Kreidezeit, je zwei aus Südamerika und Afrika, gehört Hungarobatrachus szukacsi möglicherweise zu den Australobatrachia, den „südlichen Fröschen“.

Keiner der beiden engeren Untergruppen dieser Verwandtschaft ordnet die Analyse die fünf Arten zu. Damit taucht Afrika ein zweites Mal in der Geschichte dieses Froschs auf, diesmal über seine möglichen nächsten Verwandten.

Bestätigt sich die Analyse, waren die Frösche des Südens in der späten Kreidezeit vielfältiger und weiter verbreitet als bisher bekannt. Einer von ihnen hätte dann mit Hörnern am Kopf in einer ungarischen Flussaue gelebt.

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