Ein Team um Jerit L. Mitchell von der University of Regina stellte den Fund im Juli 2025 in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ vor. Mit extrem starkem Röntgenlicht machten die Forscher das Röhrennetz direkt an seinem Platz im Knochen sichtbar. Laut Studie hat vorher niemand so große, neu gewachsene Gefäßstrukturen eines Dinosauriers zugleich dreidimensional vermessen und chemisch untersucht.

Ein Riese mit gebrochener Rippe

Vor rund 67 Millionen Jahren lebte Scotty in einer Flusslandschaft mit gemäßigtem Klima, die heute Frenchman Formation heißt. Sie war zeitlich mit der besser bekannten Hell-Creek-Formation in Montana vergleichbar. Irgendwann brach eine seiner Rippen, und warum, verrät der Knochen nicht.

Der Riese lebte mit der Verletzung weiter. Sein Körper begann, den Schaden zu flicken. Genau diese Baustelle ist im Stein erhalten geblieben.

Am Bruch wuchsen neue Blutbahnen

Heilt ein Knochen, bildet sich um die Bruchstelle ein Kallus, also ein Wulst aus frischem Knochengewebe. Dieser Umbau braucht viel Blut, deshalb wachsen neue Gefäße in den Bereich hinein. Scottys Bruch war noch nicht ganz verheilt, und genau das erhöhte nach Angaben der Forscher die Chance, solche jungen Gefäße anzutreffen.

Die Röhren tauchen nur im gebrochenen Abschnitt der Rippe auf. Auf der anderen Seite des Knochens, direkt am Kallus, erreichen manche von ihnen rund einen Millimeter Durchmesser.

Viel zu dick für normale Knochenkanäle

Ein Millimeter klingt nach wenig, für Gefäße im Knochen ist das viel. Die üblichen Versorgungskanäle im Knochen, die sogenannten Havers- und Volkmann-Kanäle, messen laut Studie zwischen 0,05 und 0,6 Millimeter.

Frühere Gefäßfunde bei Dinosauriern waren noch viel feiner, nur wenige hundertstel Millimeter dünn. Sie gehörten wohl zu diesem normalen Kanalnetz und galten nicht als Folge einer Verletzung. Scottys Röhren passen in dieses Raster nicht hinein.

Die Adern bestehen aus Katzengold und Rost

Den Blick ins Innere lieferte ein Synchrotron, ein Teilchenbeschleuniger, der Röntgenstrahlen von enormer Helligkeit erzeugt. Seine 3D-Aufnahmen zeigen das Röhrennetz genau dort, wo es im Knochen sitzt. Weitere Röntgenmessungen verrieten, welche chemischen Elemente in den Röhren stecken und in welcher Form.

Licht- und Elektronenmikroskope ergänzten die Daten. Die Röhren bestehen aus Pyrit, einem glänzenden Eisenmineral, das im Volksmund Katzengold heißt. Ein Teil davon hat sich in Goethit oder Hämatit verwandelt, zwei Eisenoxide, die auch in Rost vorkommen.

Das Mineral liegt in zwei getrennten Schichten. Es hat die früheren Hohlräume ausgefüllt wie Gips eine Gussform.

Weiches Gewebe? Diesmal Fehlanzeige

Gefäßspuren in T.-rex-Knochen machen seit Jahren Schlagzeilen. Im Jahr 2005 beschrieb die Paläontologin Mary Schweitzer im Exemplar „B-rex“ noch biegsame, unversteinerte Gefäßreste mit möglichen Spuren von Eiweiß. Ob das wirklich Originalgewebe war, ist in der Forschung bis heute umstritten.

Bei Scotty stellt sich diese Frage gar nicht. Seine Röhren bestehen ganz aus Mineral, Originalgewebe fanden die Forscher mit ihren Methoden nicht, und auf organische Reste lassen sich die Abgüsse derzeit nicht prüfen. Dass hier frisch gewachsene Blutgefäße ihre Abdrücke hinterlassen haben, schließt das Team allein aus Form und Lage.

Bei B-rex liegen weiche, vielleicht organische Reste vor. Bei Scotty zeigen versteinerte Abgüsse, wo vermutlich Blut zur Wunde floss.

Der Patient ist ein Rekord-Tyrannosaurus

Am 16. August 1991 stieß der Schulleiter Robert Gebhardt nahe dem Ort Eastend auf die ersten Knochen. Das Royal Saskatchewan Museum brauchte mehr als 20 Jahre, um das Tier aus hartem, eisenreichem Sandstein zu befreien. Mit 65 Prozent des Skeletts zählt Scotty zu den vollständigsten Exemplaren von Tyrannosaurus rex.

Die Studienautoren führen ihn als größten bisher geborgenen T. rex. Eine Auswertung von 2019 sah ihn knapp vor „Sue“ aus Chicago, Kuratoren des Field Museums halten beide Tiere dagegen für statistisch gleichauf.

Die gebrochene Rippe ist auch nicht Scottys einzige Wunde. Sein Skelett trägt mehrere verheilte Verletzungen.

Knochenbrüche werden zum nächsten Forschungsziel

Die Autoren wollen künftig gezielt dort suchen, wo Knochen heilen und nachwachsen. Mit mehreren Methoden zugleich soll sich zeigen, wie gut Dinosaurier Verletzungen reparieren konnten.

Inzwischen hat das Team um Mitchell und Mauricio Barbi die Rippe im April 2026 zusätzlich mit Neutronen-Bildgebung am Oak Ridge National Laboratory untersucht. Das geht aus einer Pressemitteilung des Labors vom September 2026 hervor. Eine eigene Studie dazu ist bislang nicht erschienen, Ergebnisse liegen also noch nicht vor.

Folgt man der Deutung der Autoren, arbeitete Scottys Körper vor 67 Millionen Jahren an einer Wunde. Heute zeigt genau diese Wunde, wie es im Inneren des Riesen aussah.

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