Ein Team um Gregory F. Funston stellt die neue Art in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ vor. Grundlage ist ein fast vollständiger Schädel, dessen Knochen noch so beieinanderliegen wie im lebenden Tier. Aus der Familie der Caenagnathiden, zahnloser Schnabel-Saurier aus der Verwandtschaft der Raubsaurier, ist es der erste so gut erhaltene Schädel.
Der Unterkiefer arbeitete wie eine Reibe
Bis zu 15 Millimeter weit konnte das Tier seinen Unterkiefer nach vorn und hinten schieben, das ist rund ein Siebtel der Schädellänge. Die Riffel im Ober- und Unterkiefer griffen dabei ineinander. Was dazwischen geriet, wurde gründlich zerquetscht.
Möglich machte das eine völlig umgebaute Kaumuskulatur. Unter den Raubsauriern und ihren Verwandten ist dieser Aufbau einmalig. Heute findet man ihn bei Papageien, die von Früchten leben.
Auch eine Öffnung im Schädel hinter dem Auge fällt aus der Reihe. Sie misst nur rund ein Zehntel der Schädellänge und ist damit ungewöhnlich klein.
Ein heutiger Papagei kaut genauso
Als lebendes Vergleichstier nennen die Forscher Pesquets Papagei. Der Vogel mit langem Hakenschnabel und kahlem Gesicht lebt fast nur von wenigen Feigenarten, streift mit dem Schnabel das Fruchtfleisch ab und lässt die Samen fallen.
Abgeschaut hat er sich nichts: Saurier und Vogel entwickelten den Kautrick unabhängig voneinander. Wo aber dasselbe Werkzeug auftaucht, liegt dieselbe Nahrung nahe.
Zwölf Kilo schwer und schon erwachsen
Rund zwölf Kilogramm wog Infernogallus jamesi, je nach Rechnung zwischen neun und 15. Das schätzen die Forscher anhand des Umfangs seines Oberschenkelknochens. Wachstumsringe im Knochen verraten auch sein Alter: mindestens sechs, eher sieben Jahre. Das Tier war geschlechtsreif, also trotz seiner geringen Größe erwachsen.
Kleine Erwachsene sind in dieser Familie kein Einzelfall. 2024 beschrieben Forscher aus der Hell-Creek-Formation in South Dakota Eoneophron infernalis. Auch ihn hielt man zunächst für ein Jungtier, bis der Blick ins Knocheninnere ein ausgewachsenes Tier zeigte. Neben dem großen Verwandten Anzu wyliei lebten dort womöglich bis zu drei verschieden große Arten der Familie.
Kauapparat und Obst kamen zur selben Zeit
Aus Stammbaum und Alter der Fossilien haben die Forscher zurückgerechnet, wann die Gruppe der Obstkauer entstand. Ergebnis: mitten in der späten Kreidezeit. Genau damals wurden fleischige Früchte bei den Blütenpflanzen häufiger. Während sich die Schnabel-Saurier ausbreiteten, wurde das Obst laut Studie größer und vielfältiger.
Wie groß dieser Sprung war, zeigt eine andere Studie, 2026 in „Science“ erschienen. In einem rund 74,6 Millionen Jahre alten fossilen Wald in New Mexico waren die Früchte im Schnitt mehr als hundertmal so groß wie in älteren Kreidewäldern. Was den Wachstumsschub auslöste, wissen auch diese Forscher nicht.
Warum die Ernährung so lange rätselhaft war
Die Familie hat Fachleute schon öfter getäuscht. 1940 wurde einer ihrer Unterkiefer als Vogelknochen beschrieben. Erst spätere Funde wie Anzu wyliei im Jahr 2014 zeigten, dass diese Tiere keine Vögel waren.
Auch über den Speiseplan gingen die Meinungen weit auseinander. Ein zahnloser Schnabel taugt für vieles und verrät allein wenig. Erst der Schädel mit seinen umgebauten Kaumuskeln zeigt, wofür dieser Kiefer gebaut war.
Offen bleibt die Rolle im Obst-Boom
Ob Tiere wie Infernogallus jamesi selbst dazu beitrugen, dass sich fleischige Früchte in der späten Kreidezeit so stark ausbreiteten, lässt die Studie offen. Dabei prägte genau dieser Obst-Boom die Pflanzenwelt noch lange nach dem Ende der Dinosaurier.
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