Der neue Name stützt sich auf Forschung aus dem Jahr 2025. Ein Team um Lindsay E. Zanno von der North Carolina State University berichtete damals in der Fachzeitschrift Nature über ein anderes Skelett, bekannt als „Dueling Dinosaurs“. Seitdem hat der kleine Räuber gute Karten als eigene Gattung.
Aus Montanas Gestein auf die Bühne in New York
2019 stieß Jodi Pierson auf ihrem eigenen Land auf die Knochen. So steht es in der Herkunftsangabe des Katalogs. Die Fundstelle liegt bei Jordan im Garfield County, in der Hell-Creek-Formation, einer Gesteinsschicht aus der späten Kreidezeit.
Etwa 191 fossile Knochenteile eines einzigen Tieres zählt die Losbeschreibung. Der Schädel ist fast komplett. Gedruckte und modellierte Ersatzteile füllen die Lücken im aufgestellten Skelett.
Seit dem 13. Oktober steht Jodi in New York für alle sichtbar. Auf der Bühne wirkt das Tier komplett, im Gestein lag es so nicht. Der Katalog beschreibt das Angebot eines Verkäufers und ersetzt kein unabhängiges Gutachten über dieses Exemplar.
60 Jahre Streit: Kind oder eigene Gattung?
1942 barg David Hosbrook Dunkle einen einzelnen Schädel. Mit ihm begann der Streit. Charles Gilmore taufte das Fundstück 1946 als neue Art Gorgosaurus lancensis.
1965 hielt Anatoly Rozhdestvensky dagegen. Solche kleinen Räuber seien bloß Jungtiere von Tyrannosaurus rex, schlug er vor. 1988 stellten Robert Bakker, Michael Williams und Philip Currie den Schädel trotzdem in eine eigene Gattung: Nanotyrannus.
Die Kind-These hielt sich rund 60 Jahre. Kaum eine Frage der Dinosaurierforschung blieb so lange offen. Jodis Lebenslauf spiegelt den ganzen Streit: 2023 noch junger T. rex, heute Nanotyrannus.
Die Knochen verraten das Alter
Klein heißt nicht jung. Ein schmaler Raubsaurier kann ein Halbstarker sein oder ein fertig gewachsenes Tier. Die Größe allein verrät das nicht.
Zanno und ihr Kollege James G. Napoli fragten deshalb die Knochen des Dueling-Dinosaurs-Skeletts. Sie prüften zum Beispiel, ob die Wirbel der Wirbelsäule schon fest zusammengewachsen waren. Das passiert erst, wenn ein Tier weit entwickelt ist.
Das Ergebnis: ein fast ausgewachsenes Tier, klar unterscheidbar von einem jungen T. rex. Danach legten die beiden zahlreiche Fossilien weiterer T.-rex-Verwandter daneben. Ihr Schluss: Nanotyrannus ist eine eigene Gattung neben Tyrannosaurus.
Winzige Halsknochen liefern den zweiten Beweis
Im Dezember 2025 legte das Natural History Museum in Los Angeles nach. Es meldete eine zweite, unabhängige Arbeit in der Fachzeitschrift Science. Forschende hatten darin die Zungenbeine des Original-Schädels von Nanotyrannus unters Mikroskop gelegt, also die feinen Halsknochen, die die Zunge tragen.
Zuerst testeten sie die Methode an T. rex. Das Museum zeigt in seiner Dinosaurierhalle mehrere T. rex verschiedenen Alters, deren Knochen schon unter dem Mikroskop untersucht waren. Ihre Zungenbeine trugen dieselben Wachstumsringe wie die langen Knochen im Skelett, ähnlich den Jahresringen eines Baums.
Dann kam der Nanotyrannus-Schädel dran. Seine Wachstumsringe zeigten ein Tier, das schon weit gereift war.
Der Haken: Geprüft wurden andere Skelette
Für die Auktion hat die Sache einen Haken. Keine dieser Untersuchungen fand an Jodi statt. Beide Arbeiten stärken Nanotyrannus als eigene Gattung.
Ob Jodi zur Art lancensis gehört, belegen sie nicht. Genau dafür steht das vorsichtige „cf.“ im Katalognamen Nanotyrannus cf. lancensis: Es bedeutet „vergleichbar mit“, die Art ist damit nicht sicher bestimmt.
Ein schlanker Rivale für T. rex
Vor rund 67 Millionen Jahren war Montana eine bewaldete Flussniederung mit Deltas am Rand eines Binnenmeers. Es war warm, einen strengen Winter gab es nicht. In dieser Rekonstruktion streift ein schlanker Zweibeiner durch den Uferwald, während am Fluss Hornsaurier fressen.
Beute gab es reichlich. Nach einer Zählung von Horner und Kollegen aus dem Jahr 2011 stammen rund 40 Prozent der Dinosaurierfunde aus der Hell-Creek-Formation von Hornsauriern. Die Tyrannosauriden, also die Familie von T. rex, kommen nur auf etwa 24 Prozent.
Laut ihrer Universität sieht Zanno T. rex am Ende der Kreidezeit im Wettstreit um Beute mit dem schlankeren, schnelleren Nanotyrannus. T. rex herrschte demnach nicht allein. Eine Jagd hat allerdings kein Fossil festgehalten.
Der Preis fällt am 27. Oktober
Ob wirklich sechs bis neun Millionen Dollar geboten werden, zeigt erst der Auktionstag. Die Wissenschaft hat Jodis Welt schon verändert. Der kleine Räuber, den viele 60 Jahre lang für ein Kind hielten, steht jetzt mit eigener Gattung neben T. rex.
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