Ein Team um Matías Reolid von der Universidad de Jaén berichtet darüber in der Fachzeitschrift „Estudios Geológicos“. Gegen den Tyrannosaurier treten Giganotosaurus carolinii an, ein Riesenräuber aus dem heutigen Argentinien, und Allosaurus fragilis, ein Jäger mit schmalem Kopf. Für T. rex steht „Stan“ im Ring, ein berühmtes Museumsexemplar mit der Nummer BHI 3033.
Der längere Kopf verliert das Kräftemessen
Bei der Länge liegt Giganotosaurus vorn, sein Schädel ist länger. Beim Kräftemessen gewinnt trotzdem T. rex. Sein Kopf ist breiter und gedrungener gebaut.
Die Forscher machen das mit einer einfachen Rechnung sichtbar: Sie teilen die Schädellänge durch die Schädelbreite. T. rex kommt auf 2,42, Giganotosaurus auf 2,98. Je kleiner die Zahl ist, desto breiter sitzt der Kopf.
Ein zweiter Messwert bestätigt das Ergebnis. Das Team setzt das Volumen des Schädels ins Verhältnis zum Volumen des Unterkiefers und kommt bei Giganotosaurus auf 3,68, bei T. rex auf 3,31. Auch dieser Wert spricht für den robusteren Kopf des Tyrannosauriers.
T. rex hielt fest und brach Knochen
Den Ausschlag gibt der Unterkiefer. Bei T. rex ist er tiefer als bei anderen großen Raubdinosauriern. Dazu kommen Zähne, die Fachleute pachydont nennen, also dick und stämmig wie Pflöcke.
Diese Zähne waren wahrscheinlich auf hohe Beißkraft ausgelegt. Mit seinem tiefen Kiefer hielt T. rex große Beute fest und biss Fleisch und Knochen gleichermaßen durch.
In der Rekonstruktion stößt der Tyrannosaurier aus kurzer Distanz zu. Die Kiefer schließen sich, die Zähne brechen durch Muskel und Rippe, und die Beute kommt nicht mehr frei.
Auch seine Augen blickten nach vorn. Die Autoren sehen darin einen Hinweis auf räumliches Sehen mit beiden Augen. Allosaurus und Giganotosaurus trugen ihre Augen dagegen weiter seitlich am Kopf.
Giganotosaurus schlug mit Sägeklingen zu
Giganotosaurus setzte auf eine andere Waffe. Seine Zähne waren ziphodont, also flach, klingenförmig und an den Kanten gesägt wie ein Brotmesser. Die höchste gemessene Zahnkrone ragt 92 Millimeter auf, ungefähr eine Handbreite.
Daraus schließen die Forscher auf kräftige Schneidbisse. Den flachen Unterkiefer deuten sie so, dass der Räuber eher Beute packte und herumwarf, die kleiner war als die Opfer von T. rex. In der Rekonstruktion reißt er mit schnellen Schnitten tiefe Wunden in Flanke und Hals.
Der Riese lebte vor etwa 100 bis 95 Millionen Jahren im heutigen Patagonien. Der Fossiliensammler Rubén Carolini entdeckte ihn 1993, zwei Jahre später erhielt die Art seinen Namen. Ein vollständiges Skelett kennt man bis heute nicht, deshalb bleiben alle Größenangaben unsicher.
Neue Hilfe kam 2022 von einem nahen Verwandten. Meraxes gigas aus Patagonien ist mit einem fast vollständigen Schädel erhalten. Mit ihm konnten Fachleute die Schädellänge von Giganotosaurus neu schätzen.
Allosaurus war schmal und trotzdem zäh
Der dritte Jäger ist rund 150 Millionen Jahre alt. Das untersuchte Exemplar MOR-693 stammt aus der Morrison-Formation, einer Gesteinsschicht aus dem späten Jura. Sein Schädel ist der schmalste im Vergleich, denn Länge geteilt durch Breite ergibt hier 3,24.
Seine Zähne waren gerade und dick, sein Unterkiefer taugte zum Schneiden, Fangen und Festhalten kleiner Beute. Schon 2005 hatten Therrien und Kollegen angenommen, dass Allosaurus Beutetiere greifen und festhalten konnte.
Dann folgt die Wende. Das Verhältnis von Schädel- zu Unterkiefervolumen liegt bei 3,53 und damit niedriger als bei Giganotosaurus. Allosaurus war deshalb wahrscheinlich auch dafür gebaut, starke Verdrehkräfte auszuhalten, wenn er größere Tiere angriff.
In der Rekonstruktion verbeißt sich ein Allosaurus in einen großen Pflanzenfresser. Die Beute wirft sich zur Seite und zerrt am Kopf des Räubers. Der schmale Schädel hält stand.
Schon ein Handy liefert brauchbare 3D-Modelle
Die Schädel entstanden per Fotogrammetrie neu, also aus vielen Fotos, die eine Software zu einem 3D-Modell zusammensetzt. Dazu kamen Laserscans und Programme wie Agisoft Metashape Pro und die freie Software CloudCompare. So bestimmte das Team Größe, Volumen und Oberfläche der Knochen.
Laut den Autoren gelingt das immer einfacher, sogar mit Handy und Tablet. Das Team hat es selbst ausprobiert. Eine einfache Smartphone-App lag bei den Volumen am weitesten daneben, bei Giganotosaurus um bis zu fünf Prozent.
Jäger oder Aasfresser? Die Autoren wählen eine Seite
Der Schädelvergleich berührt eine lange Debatte. Unter Paläontologen ist bis heute umstritten, ob T. rex vor allem jagte oder Aas fraß. Jack Horner vertrat die Aasfresser-These, die Gegenseite hält aktive Jagd für wahrscheinlicher.
Die Autoren stellen sich auf die Seite der Jäger. Als Beleg nennen sie Einstichwunden in Knochen möglicher Beutetiere wie Edmontosaurus und Triceratops. Endgültig klärt ihr Vergleich die Frage nicht, aber ein Kopf, der große Beute festhält und Knochen durchbeißt, passt zum Jäger.
Die Form des Kopfes verrät die Jagdweise
Die Studie stellt beim Vergleich der Raubdinosaurier die Funktion vor die Größe. T. rex hielt fest und brach Knochen, Giganotosaurus schnitt, Allosaurus hielt wahrscheinlich Verdrehungen stand. Über die Jagdweise dieser Riesen verrät die Form ihres Schädels mehr als seine Länge.
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