KI-Lebendrekonstruktion eines kleinen, nicht-vogelartigen Paraviers (Paraves indet.) aus dem unteren Barremium von Sesimbra, Portugal – auf Basis fragmentarischer Armknochen, etwa in der Größe eines heutigen männlichen Truthahns. · Bild: Tiefenzeit · KI-generierte Illustration
Drei Knochen von der Steilküste bei Cabo Espichel in Portugal stammen aus der frühen Kreidezeit, und ein früher Vogel war es nicht: Form und Größe schließen das aus. Sie passen zu einem kleinen Raubsaurier aus der engsten Verwandtschaft der Vögel. Zwei der Armknochen könnten von einem einzigen Tier stammen, das etwa so groß war wie ein heutiger männlicher Truthahn. Solche kleinen Raubsaurier sind von der Iberischen Halbinsel kaum bekannt.
Gefunden wurden ein Stück der Elle, das schulternahe Ende eines Oberarmknochens und ein Handwurzelknochen. Mehr Material liegt nicht vor. Das reicht trotzdem, um einen Verdacht auszuräumen, der bei kleinen Armknochen aus dieser Zeit sofort aufkommt.
Lagune, Delta und ein Arm im Fels
Bei Sesimbra fällt heute ein Kliff zum Atlantik ab. Im Barremium, einem Abschnitt der frühen Kreidezeit, lagen hier Lagunen und ein Delta. Ihre Ablagerungen bilden heute die Papo-Seco-Formation.
Am Fundpunkt Areia do Mastro lagen das Ellenstück und das Oberarmfragment dicht beieinander im Gestein. Deshalb könnten beide vom selben Tier stammen. Der Handwurzelknochen kam dagegen aus dem Geröll am Fuß des Kliffs, also nicht mehr aus seiner ursprünglichen Schicht.
Ein Vogel? Die Knochen sagen nein
Bei kleinen, zierlichen Armknochen aus der Kreidezeit denken Fachleute zuerst an Enantiornithen. Diese ausgestorbene Gruppe urtümlicher Vögel war damals weit verbreitet, und viele von ihnen konnten fliegen.
Die Forschenden verglichen Form und Größe der Knochen aus Portugal. Ergebnis: Ein flugfähiger Enantiornith scheidet aus. Die Elle ist schlank, aber auf keine besondere Aufgabe spezialisiert, der Oberarm nur mäßig kräftig entwickelt. Das passt zu einem Paravier außerhalb der Vögel. Paravier heißt die Gruppe, zu der die Vögel und ihre engsten Verwandten unter den Raubsauriern gehören. Welche Untergruppe genau, bleibt offen. Die Forschenden schreiben deshalb „Paraves indet.“, also „Paravier, nicht näher bestimmt“.
Vielleicht ein früher Verwandter der Dromaeosaurier
Die Autoren halten es für möglich, dass das Tier zu einem frühen Seitenzweig der Dromaeosaurier gehörte. Das ist die Familie flinker Raubsaurier, zu der auch Velociraptor zählt. Sicher ist das nicht. Einen neuen wissenschaftlichen Namen vergeben die Forschenden ausdrücklich nicht, denn drei Bruchstücke reichen dafür nicht aus.
Wichtig ist der Fund trotzdem. Kleine Maniraptoren, also Raubsaurier aus der großen Gruppe, zu der auch die Paravier und die Vögel gehören, sind auf der Iberischen Halbinsel kaum belegt. Die Autoren sehen deshalb zwei Möglichkeiten: Die Knochen könnten zu einer bisher unbekannten, urtümlichen Linie Europas gehören, und im Barremium Iberiens könnten kleine Raubsaurier gelebt haben, die es nur dort gab.
Ob hier tatsächlich eine eigene europäische Linie auftaucht, lässt sich erst mit vollständigeren Skeletten klären.
---
Auf einen Blick
Ein kleiner Dinosaurier aus Portugal ist durch drei fragmentarische Arm- und Handgelenkknochen belegt. Form und Größe schließen einen flugfähigen Enantiornithen aus und stützen die Einordnung als nicht-avialer Paravier. Der Fund zeigt, dass kleine vogelnahe Raubsaurier im frühkreidezeitlichen Iberien lebten; eine neue Art, Dromaeosaurier-Zuordnung oder unbekannte europäische Linie bleibt jedoch nach bisherigem Material unbewiesen.
Der Fund stammt aus der unterbarremischen Papo-Seco-Formation bei Cabo Espichel in Portugal.
Das Material umfasst Teile von Elle und Oberarm sowie einen Handwurzelknochen.
Form und Größe schließen einen flugfähigen Enantiornithen aus.
Die Knochen werden einem nicht-avialen Paravier zugeordnet.
Das Tier war ungefähr so groß wie ein männlicher Truthahn.
Eine neue Art oder sichere Dromaeosaurier-Zuordnung ist nicht belegt.
Häufige Fragen
Welche Knochen wurden in Portugal gefunden?
Gefunden wurden ein Fragment der Elle, der schulternahe Teil eines Oberarmknochens und ein Handwurzelknochen. Elle und Oberarm lagen dicht beieinander; der Handwurzelknochen stammte aus dem Schutt am Fuß des Kliffs.
Warum gehören die Knochen keinem frühen Vogel?
Form- und Größenvergleiche schließen eine Zuordnung zu einem flugfähigen Enantiornithen aus. Die schlanke, unspezialisierte Elle und der mäßig kräftige Oberarm passen stattdessen zu einem nicht-avialen Paravier.
Wurde eine neue Dinosaurierart entdeckt?
Nein. Die drei fragmentarischen Knochen reichen nicht für ein neues Taxon und damit nicht für einen neuen wissenschaftlichen Namen. Die genaue Gruppe innerhalb der Paravier bleibt offen.
Warum ist der Fund für Europa wichtig?
Kleine Maniraptoren sind auf der Iberischen Halbinsel selten belegt. Der Fund bestätigt ihre Anwesenheit im frühkreidezeitlichen Portugal und grenzt ihre Verwandtschaft ein. Eine unbekannte europäische Linie bleibt lediglich eine Möglichkeit.
Vor rund 77 Millionen Jahren lebte in den Flussauen des heutigen Alberta ein Raubsaurier, den bisher niemand kannte. Jetzt hat das Tier einen Namen: *Tromerosaurus solumons*, ein neuer Tyrannosaurier aus der Oldman Formation in Kanada. Sein Oberkiefer trägt Merkmale zweier berühmter Verwandter zugleich und bringt den Stammbaum der großen Raubsaurier ins Wanken.
GeprüftQuelle: A new albertosaurine from the Oldman Formation, Alberta, Canada, illuminates ambiguity between albertosaurine and tyrannosaurine characteristics
Drei 66 Millionen Jahre alte Zähne aus der Hell Creek Formation in Nordamerika liefern einen konkreten Messwert zur T. rex Körpertemperatur: 36,3 Grad Celsius, plus oder minus 2,5 Grad. Damit lag der Räuber aus der späten Kreidezeit im Bereich heutiger Säugetiere und Vögel. Über diese Frage wird seit Langem gestritten, harte Messwerte gab es kaum. Jetzt liegt einer vor.
GeprüftQuelle: The body temperature of Tyrannosaurus rex
Im Kreuzbein eines Edmontosaurus stecken noch Reste seines eigenen Eiweißes. Genauer: Bruchstücke von Kollagen, dem Stützeiweiß, das Knochen stabil und elastisch macht. Ein Team um Lucien Tuinstra fand dafür drei unabhängige Hinweise. Das Fossil stammt aus der Oberkreide von South Dakota – und befeuert einen Streit, der die Forschung seit Jahrzehnten beschäftigt.
GeprüftQuelle: Evidence for Endogenous Collagen in Edmontosaurus Fossil Bone