Ein Team um Mark J. Powers von der University of Alberta stellt den Räuber im „Journal of Vertebrate Paleontology“ vor. Mehrere Fossilien, die bisher unter Gorgosaurus liefen, wechseln dabei den Besitzer: Sie gehören jetzt zur neuen Art.
Im Flussland lebte schon ein wuchtiger Nachbar
Flussarme schlängeln sich durchs Land, Hochwasser überspült immer wieder die Ebenen. In dieser Welt der späten Kreidezeit lebte Tromerosaurus. Aus denselben Gesteinsschichten kennt die Forschung bereits Daspletosaurus, einen deutlich massiger gebauten Tyrannosaurier.
Die schlanke Tyrannosaurier-Gruppe der Albertosaurinen erreichte acht bis neun Meter Länge. Das sind etwa zwei hintereinander geparkte Kleinwagen. Ihre Schädel waren flacher und ihre Schienbeine länger als bei den robusten Vettern rund um Tyrannosaurus, doch wie groß Tromerosaurus selbst wurde, verrät die Kurzfassung der Studie nicht.
Ein Loch im Kiefer verrät den Neuen
Den Fall knackt der Oberkiefer. Darin sitzt ein Fenster, also eine natürliche Öffnung im Knochen, und bei Tromerosaurus zieht sie sich von vorn nach hinten länger. Eine Knochenstrebe im selben Bereich fällt schmaler aus als bei Gorgosaurus libratus.
Die Vermessung spricht eine klare Sprache: Die Kieferform liegt genau zwischen Gorgosaurus und Daspletosaurus. Auch das Gestein stützt die neue Gattung, denn Tromerosaurus und Gorgosaurus tauchen nur in wenigen gemeinsamen Schichten auf.
Verwechslungen haben bei diesen Räubern Tradition. Ein junger Schädel aus der Dinosaur Park Formation galt zunächst als Daspletosaurus, seit 2019 wird er Gorgosaurus libratus zugeordnet. Schon die ersten Tyrannosaurier-Funde von 1856 waren bloß einzelne Zähne, die Joseph Leidy „Deinodon“ taufte.
Je nach Rechnung wechselt der Räuber das Lager
Dann folgt der Knall im Stammbaum. Das Team speiste eine überarbeitete Merkmalstabelle in zwei gängige Rechenverfahren ein. Das Sparsamkeitsverfahren, das mit möglichst wenigen Merkmalswechseln auskommt, stellt Tromerosaurus an den Fuß der schlanken Albertosaurinen.
Die Bayes-Statistik, eine Wahrscheinlichkeitsrechnung, schiebt ihn ins andere Lager: zu den Tyrannosaurinen, der Linie von Tyrannosaurus selbst. Auch Lythronax, Teratophoneus und Bistahieversor verlieren dabei statistischen Rückhalt. Zu welcher der beiden Linien sie gehören, ist damit wieder offen.
Die Tyrannen wandelten sich im Eiltempo
Lange galten Tyrannosaurier-Arten als langlebig und wenig vielfältig, verglichen mit den großen Pflanzenfressern ihrer Zeit. Manche Studien sahen sogar Arten, die innerhalb einer einzigen Linie nacheinander auseinander hervorgingen. Ob das für die drei Arten von Daspletosaurus stimmt, ist bis heute ungeklärt.
Tromerosaurus kratzt an diesem Bild. Das Team liest die Unschärfe im Stammbaum als Spur: Demnach trennten sich die beiden Hauptlinien später und legten sich ihre typischen Merkmale rasch zu, in den letzten Abschnitten der Kreidezeit vom Santonium bis zum Maastrichtium.
Damit verschwimmt die Grenze zwischen schlanken Jägern und wuchtigen Kraftpaketen genau dort, wo sie begann. Als sich die Familie teilte, glichen sich die frühen Räuber beider Linien offenbar stark.
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