Die Studie erschien am 18. September 2026 im Fachjournal Science Advances. Aus einer der ältesten Streitfragen der Dinosaurierforschung wird damit eine Messung. Ein zweiter Zeuge stützt das Ergebnis: Krokodile, die zur selben Zeit am selben Ort lebten.
Hinter der Messung steht ein Team um Randon J. Flores von der University of California, Los Angeles.
Das Thermometer steckt im Zahnschmelz
Zahnschmelz wächst im lebenden Tier, also bei dessen Körpertemperatur. Dabei baut er Kohlenstoff- und Sauerstoffatome ein, darunter seltene, etwas schwerere Varianten. Das temperaturabhängige Isotopenmuster im Zahnschmelz machte den Zahn zum Thermometer.
Fachleute nennen das Clumped-Isotopen, auf Deutsch etwa „verklumpte“ schwere Atome. Grundlage der Methode ist die Thermodynamik, also die Physik von Wärme und Energie. Der Zahn wird damit zu einem Thermometer, das die Wärme seines Besitzers festgehalten hat.
Das Forschungsteam untersuchte drei Zähne von Tyrannosaurus rex. Im Mittel ergaben sie 36,3 Grad Celsius. Die 2,5 Grad geben den sogenannten Standardfehler an, also wie genau dieser Mittelwert bestimmt ist.
Eine einzelne Zahl beweist aber noch wenig. Ein warmes Ergebnis könnte schlicht bedeuten, dass es in Hell Creek heiß war. Genau hier kommen die Krokodile ins Spiel.
Die Krokodile als Gegenprobe
Hell Creek war zur Zeit des T. rex keine leere Bühne. Durch die Landschaft zogen Flüsse, und am Wasser lauerten Krokodile. Beide Tiere erlebten dasselbe Klima, dieselben heißen Mittage und dieselben kühlen Nächte.
Krokodile sind das klassische Beispiel für Tiere, deren Körperwärme stark von der Umgebung abhängt. Ihre Zähne sind deshalb ein idealer Vergleich. Sie zeigen, was ein Tier an diesem Ort messen lässt, wenn es seine Wärme vor allem von außen bezieht.
Das Team maß auch Krokodilzähne aus derselben Formation. Sie fielen deutlich kühler aus als die Zähne des T. rex. Erst dieser Kontrast macht die 36,3 Grad aussagekräftig.
Gleicher Ort, gleiche Zeit, gleiches Wetter, und trotzdem ein klarer Temperaturabstand. Der Temperaturabstand zeigt: T. rex hielt seinen Körper wärmer als die Landschaft um ihn herum. Das ist die eigentliche Pointe der Studie.
Der T. rex war wärmer als seine Welt
Die Forschenden legten noch eine Prüfung nach. Sie verglichen den Messwert mit Temperaturen aus natürlichen Klimaarchiven im Gestein und mit Computersimulationen des damaligen Klimas. Das Ergebnis: Der T. rex hielt seinen Körper wärmer als seine Umgebung.
Das Modell ergab damit mehr als eine Zahl. Das Tier hielt seinen Körper wärmer als seine Umwelt, doch welcher Stoffwechsel dahintersteckte, bleibt offen. Der Befund passt zu heutigen Endothermen, legt den Stoffwechsel des T. rex aber nicht vollständig fest.
Nah an Säugetieren, aber kein Mensch mit Zähnen
Die Überschrift des Papers spricht davon, T. rex sei „fast so warm wie ein Mensch“ gewesen. Im wissenschaftlichen Kern steht etwas Vorsichtigeres: Der Wert ist vergleichbar mit heutigen endothermen Tieren. Das ist stark genug und braucht keinen Menschenvergleich.
Ein warmer Messwert zeigt die Temperatur, nicht den gesamten Stoffwechsel dahinter. Wer daraus einen „Warmblüter im heutigen Sinne“ macht, geht über die Daten hinaus. Auch für alle anderen Dinosaurier sagt die Messung nichts, denn untersucht wurde nur T. rex.
Die entscheidende Grenze liegt in den Zähnen selbst. Drei Stück sind eine kleine Stichprobe. Außerdem funktioniert die Methode nur, wenn sich der Schmelz im Gestein chemisch nicht verändert hat, denn jede spätere Umwandlung würde das eingebaute Thermometer verstellen.
Ein warmer Körper öffnet den Norden
Aus der Temperatur folgt mehr als eine Zeile in der Fachliteratur. Das Team berechnete, welche Regionen für ein Tier mit diesem Körper bewohnbar waren. Nach dieser Projektion stand dem T. rex ein Großteil des damaligen nordamerikanischen Kontinents offen.
Dazu zählten auch kühlere Gegenden weiter im Norden. Ein Räuber, dessen Körper wärmer als seine Umwelt blieb, war vermutlich weniger an warme Sonnentage gebunden. Kalte Morgen in höheren Breiten müssen ihn nicht aufgehalten haben.
Das bleibt allerdings eine Modellrechnung. Sie zeigt, wohin T. rex gelangen konnte, nicht, wo Knochen von ihm gefunden wurden.
Was ein Zahn nach 66 Millionen Jahren noch weiß
Jahrzehntelang wurde über die Körperwärme des T. rex vor allem aus Knochenbau, Größe und Lebensweise geschlossen. Jetzt liefert ein Stück Zahnschmelz einen direkten Messwert. Glaubwürdig wird er erst durch ein Krokodil, das zur selben Zeit im selben Fluss lag.
Aus einem ausgestorbenen Tier lässt sich damit eine Eigenschaft des lebenden Körpers ablesen. Die Wärme ist längst vergangen, festgehalten ist sie noch immer im Zahnschmelz.
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